Erlebnisbericht: Im Triumph TR4 mit der ProtoChampSeries in Zandvoort

Erlebnisbericht: Im Triumph TR4 mit der ProtoChampSeries in Zandvoort

Ich hatte ja bereits im Oktober 2017 einen Kurzbericht zum ProtoChampSeries-Lauf in Zandvoort veröffentlicht. Hier aber ein sehr persönlicher Erlebnisbericht eines Gastfahrers bei uns anlässlich der Final Races 2017. Danke an dieser Stelle und hoffentlich auf bald wieder auf der Strecke…

Gastbeitrag von Jürgen Renardy, Aachen


Mal was anderes als die standardmäßigen Ausfahrten, Rallyes, Clubtreffen und Orientierungsfahrten. Und für mich selber auch ein wenig Nostalgie der ich vor 20+ Jahren Teilnehmer in der Triumph Competition war. ProtoChampSeries.de!

Seit Jahren surfe ich auf Gert‘s Seite rum, u. a. da mein Cousin Gründungsmitglied ist und nahezu alle Läufe mit seinem Youngtimer-Ferrari (348tb) bestreitet. Die +/- fünf Gleichmäßigkeitsläufe per anno fanden allerdings immer zu weit für mich im Norden oder Nordosten der Republik statt, nein, 600 km Anfahrt mit dem TR auf der Straße waren mir immer zu aufwändig um 4 x 20 Minuten auf ausgedienten Flugplätzen rum zu düsen.

Dann die „Erlösung“ im Oktober 2016 mit Wiederholung 2017 erstmalig was im Westen bzw. gar bei den niederländischen Nachbarn, Zandvoort, eine richtige Rennstrecke die ich noch von vor Ewigkeiten aus der Competition kannte. Wenn auch mit gemischten Gefühlen, war da immer viiiel zu langsam, lag mir einfach nicht. Aber vor über zehn Jahren wurde ja die Strecke verlängert mit interessanten neuen Kurvenabschnitten, und auch die machten mich neugierig.

Bewerben, fertig und los…

Also 220km von Aachen aus ist eine zivile Entfernung, ich könnte mal anfragen, ja, mit dem Organisator Gert Pollmann erstmalig telefoniert, aber so einfach anmelden ist nicht, der „Chef“ versendet halt nur „Einladungen“ wenn der Interessent zu der alteingesessenen Clique passt. Also ein ausgiebigeres zweites Telefonat plus sowas wie Referenzen (ok, mein Cousin hat vielleicht – genaueres weiß ich nicht – auch ein gutes Wort eingelegt), Bilder vom fahrbaren Untersatz und so. Ist de facto ein echt bunt zusammengewürfelter Haufen wie man auf der Homepage und anhand der Bilder hier ersehen kann. Vom (getunten) Käfer bis zur Übermonstereigenbaucobra mit 700 Pferdchen alles Mögliche an Old- und Youngtimern, Rennwagen und Eigenbauten vertreten, immerhin letztes Jahr auch hier und da diverse Triümphe, TR3, TR250, Spitfire oder GT6.

Blick in die Boxen: Große Vielfalt bei den Teilnehmern der ProtoChampSeries

Kurz darauf kam tatsächlich per E-Mail die erhoffte Zusage, Nenngeld überwiesen, Zandvoort verflixt teuer, alle anderen Flugplatzläufe wesentlich erschwinglicher, aber eine echte Rennstrecke mieten geht halt richtig ins Geld, nachvollziehbar.

Vorbereitungen? Nein, nichts nötig, die Kiste läuft und läuft und läuft, vor allem da Mitte des Jahres die komplette Vorderachse überholt (neu ausgebüchst etc.) worden war. Hotelzimmer in Haarlem online gebucht, ein Riesenklotz, an sich gar nicht mein Stil, aber ich wollte mich ja auch mit dem Rest des Vereins auf Du und Du bekannt machen, war ja „Frischling“. Meine Ehrenwerteste wollte mal ein ruhiges Wochenende zuhause verleben, ergo alleine hin nachdem einige Anfragen im Freundeskreis wegen anderweitiger Termine auch fruchtlos blieben.

Das Abenteuer kann beginnen!

Die Wetterprognose für das ganze Wochenende war ziemlich durchwachsen, also Verdeck drauf und Freitags mittags los um noch im Hotel einzuchecken plus nachmittags Abnahme im Fahrerlager zu absolvieren. Bei eitel Sonnenschein gings auf den holländischen highway Richtung Eindhoven/ Utrecht/Amsterdam, aber schon Mitte der Strecke fing es doch stark an zu regnen, und – wie hin und wieder schon passiert – mittlere Verdeckschiene vorn nicht richtig im vorgesehenen Scheibenrahmenschlitz sprich innen etwas nass geworden. Immerhin einen Lappen griffbereit gehabt, und bei nächster Gelegenheit trocken auf einem Rastplatz den Deckel korrekt befestigt. Ohne Probleme weiter bis zum (relativ teuren) Hotel, Gepäcks aufs Zimmer, und weiter noch 12 km zum Circuit Zandvoort. Siehe da, ich war einer der ersten und machte schnell Bekanntschaft mit zwei, drei noch früher angereisten, die aber per Wohnmobil im Fahrerlager blieben. Etwas später traf dann auch mein Cousin samt Frau ein, immerhin, mit dem ollen Ferrari als einer der wenigen auch auf eigener Achse aus Hildesheim (450 km) angereist. Die hatten aber Stunden Stauverzögerungen auf der A2 während ich straightforward durchgekommen war. Und dann endlich Gert persönlich angetroffen, herzliche Begrüßung, Papiere und Startnummern erhalten, verständlicherweise hatte er als Organisator jede Menge zu tun, soll heißen, sich natürlich um alle anderen Teilnehmer auch zu kümmern. Aber wie ich dann auch den gegenseitigen Umgang mitbekam, eine verschworene, gewachsene, nahezu verwandtschaftliche Gemeinschaft die mich im großen und ganzen an die alten Tage in der Competition erinnerte bei der auch jeder jedem aushalf.

Die folgende Abnahme geschah dann durch Jens, der selber mit einer leicht getunten 200er Heckflosse seit längerem in dieser Serie unterwegs ist, und zwar verdammt flott wie ich am nächsten Tag zu meinem Leidwesen live miterleben konnte.

Abnahmeleiter Jens Schröder in seiner Heckflosse auf der Strecke

Trotz Serien-interieur, -sitz und -lenkrad! Nichts zu meckern an meinem Vierer, Abnahmevoraussetznungen sind auf der Homepage nachzulesen. Nur ein höchst fragendes Gesicht beim Öffnen meines Kofferraums: „das nimmste ja wohl nicht alles auf die Strecke mit“, ja, immer noch komplett ausgefüllt mit Werkzeug, E-Teilen und was man sonst so noch an Kanistern, Dosen etc. für Langstrecke brauchen könnte. Meine Antwort….“das ist so gekramt daß sich da absolut nichts in den Positionen ändert, hält so schon 3 Jahre incl. Türkei“, hmm, Kommentar ausgeblieben. Die 15 kg im Kofferraum sind ja auch „gut angelegt“, macht in der Summe fast genau fifty-fifty Gewichtsverteilung auf den Achsen, doch, das merkt man per sehr neutralem Fahrverhalten.

Gemütliche Abende mit viel Unterhaltung inklusive…

Abends zur Rückkehr ins Hotel durfte ich dann gar im TR noch zwei (!) Passagiere mitnehmen, Leo (seit Jahrzehnten auf allen möglichen europäischen Strecken mit seinem 2l Chevron B16 Ford sauschnell in Supersports und anderen Serien unterwegs, inzwischen 78, aber fahren wie mit 25!) und Lebensgefährtin wollten zumindest beim gemeinsamen Dinner dabei sein. Passte, auch bei geschlossenem Verdeck, Verrenkungen auf der „Rücksitz“bank inclusive. Zum gemütlichen Teil, ja, lebhafte Gespräche rundum zwischen den ca. 35 Teilnehmern/Begleitern, und selbst der Neuling war schnell integriert. Der Abend wurde länger und länger, ok, nach zwölf hab‘ ich‘s dann auch in die Heia geschafft.

Final Race Days bei sehr feuchten Verhältnissen

Der Morgen graute, wortwörtlich, Regen! Aufs Frühstück habe ich verzichtet, war sowieso nicht im Ü-preis enthalten, im parc fermé gibts auch Kaffee und was für zwischen die Zähne, tatsächlich lecker deren frische Schinken-Sandwichbaguettes etc. Nach der obligatorischen Fahrerbesprechung dann endlich erster (Trainings)-Lauf auf nasser Strecke plus Nieselregen, Licht an war Vorschrift, Wischer brauchte ich dank vorangegangener Imprägnierung mit rain-x glücklicherweise gar nicht. Mal gucken wo‘s langgeht, jaaa, schöne Streckenführung mit den neuen 3xrechts 1xlinks Scheivlak++ Kombinationen, Rechtslenker wäre mir hier angenehmer gewesen, im kurveninneren Sitz hat man doch ein sichereres Feeling.

 

Im Großen und Ganzen war ich ja mit meinem Stil schon zufrieden, null Schlenker, Ausrutscher oder gar Dreher, Ideallinie mußte ich hier und da aber neu erlernen. Selbst die Bremsen hielten wacker durch die 20 Minuten, bei der Nässe aber auch gar nicht sonderlich gefordert und maximale Drehzahl von 4.500 die ich mir selber bereits Wochen vorher auferlegt hatte erreichte ich noch nicht einmal. Wohlgemerkt, die vier Sessions hatten rein gar nichts mit Rennen zu tun, Zeitenprotokolle gabs erst gar nicht, eine Schlußwertung erfolgte rein nach „optischen“ Gesichtspunkten wie Ideallinie und Stil, was immer man sich darunter vorstellen mag. Ich nehm‘s vorweg, am Ende wurde ich als Vorletzter in der Sport- und Rennwagenklasse gewertet, warum weiß der Geier, macht aber nichts, dabeisein ist alles.

Wegen ständigem Rückspiegel im Auge behaltenden sprich schneller, gar Welten schnelleren Teilnehmern hab‘ ich wahrscheinlich doch hier und da Zickzack fahren müssen, gehörte ja schließlich mit zu den drei oder vier langsamsten von 24 Autos auf der Strecke. Die einzigen mit halbwegs ähnlichen Rundenzeiten waren ein mattschwarzer 356er – nee, der war gar flotter als ich unterwegs -, ein 67er oder so 911 T in Gulf-Lackierung, die o.g. Heckflosse (Wahnsinn wie der die Fahrzeugkilos um die Kurven wuchtete), Lotus Cortina (dito schneller) und der GT6. Selbst meines Cousins oller Ferri zischte nur so an mir vorbei, naja, wen wunderts mit 300 PS Bj. 94 gegen 129 Hottas auf 185er Schluffen Bj 63. Habe immerhin auf der Start/Zielgeraden auch mal auf den Tacho geguckt, schlappe 150 km/h vorm Anbremsen der Tarzanbocht.

 

Alles paletti, nachmittags – unter gleichen unwirtlichen Bedingungen- nochmal dasselbe Spiel, immerhin konnte ich auf der Strecke gar einen oder zwei überholen … stolz! Abendessen für ein kleineres Grüppchen heißt acht Teilnehmer/“Fans“ dann nicht im Hotel, sondern in Zandvoort selbst, Strandrestaurant Thalasso, und siehe da, der gedünstete Kabeljau daselbst erheblich frischer, größere Portion und eher „au point“ als im Hotel, eine Empfehlung.

Sonntag ähnlicher Ablauf, aber immerhin relativ gutes Wetter, morgens immer noch bei feuchter Strecke, nachmittags dann eitel Sonnenschein und trocken. Und im Morgenlauf mein erster faux pas: Mein Cousin wollte auf der Geraden einfach mit großem Geschwindigkeitsüberschuß an mir vorbei und ich habe falsch geblinkt! Klar sollte man dahin blinken wo man beabsichtigt zu bleiben bzw. leicht den Fahrverlauf ändert, und ich hab‘s verwechselt mit dem Vorbeiwinken wie ich es von früher aus dem offenen Rennvierer gewohnt war, Freudsche Fehlleistung im wahrsten Sinne des Worte. Eine freundliche Ermahnung nachher reichte, hab‘s vörderhin beherzigt und korrekt geblinkt.

 

Letzter Lauf wie gesagt im Trockenen, jou, das war wesentlich schneller, leider bei den anderen Mitstreitern dito. Mein Gott, was sind die an mir vorbeigeflogen, da denkt man trotz letzter Rille man steht quasi. Dennoch, das Streckenstück von Hunzerug bis Scheivlag rauf, runter, rauf ging jetzt mit Vollgas sprich max. 140 km/h bei mir, auf der Karte sieht man kaum, dass da Kurven sind, aber … das ist echt eine Mutpassage, zumindest in so einer Straßenkiste mit (fast) serienmäßigem Fahrwerk. Und immerhin 160 km/h auf der Geraden erreicht, 4.000 U/min. im 4.+OD.

Zanvoort Final Races Streckenverlauf

Eine Episode dazu noch; als alle schon beim Vorstart in der Boxengasse standen bzw. die ersten bereits losgedüst waren stand ich ziemlich hinten an. Unvermittelt spricht mich der Morgan+8 Fahrer neben mir an, ob ich ihm kurz helfen könnte, seine Frau hätte dummerweise die Wagenschlüssel mit sich, und zwar auf der Sandtribüne hinter Hunzerug, peinlich. Ok, schnell mit ihm durchs halbe Fahrerlager gefahren, er ausgestiegen, hoch geklettert, mit Schlüssel wieder runter und zurück. Jetzt aber los, hat uns ca. 5 min. gekostet. Unverschämterweise hat er mich dann auf der Strecke auch noch mit absoluter Leichtigkeit überholt, aber kein Wunder mit 238 PS …. an der Hinterachse! Hatte ich beiläufig bereits morgens mitgehört. Nach der Veranstaltung als sich im Prinzip alle auf den Heimweg – eben die meisten mit Hänger am PKW – sprach ich ihn noch kurz an „nächstes mal ein Bierchen“, versprochen, auch mehrere. Baut sich übrigens aktuell einen TR6 mit über 200 PS auf, wohlgemerkt, für die Straße!

Nach noch einem leckeren Matjesbrötchen dann der Rückstoß zur Erde, auch vollkommen problemlos trotz der vielen flotten Runden, Verdeck war glücklicherweise die ganze Zeit noch drauf denn 50 km vor Aachen fing es wieder massiv an zu schütten.

Nachsatz

Ca. einen Monat später erhielt ich ein holländisches Knöllchen, in Haarlem mit (brutto) 57 km/h geblitzt worden, macht 56 EUR. Und einen Monat später noch eins von der Autobahn, in einer 100er Zone 106 km/h (netto), nochmal um die 35 EUR ärmer. Tjaja, unsere Nachbarn sind auf einigen Gebieten eklatant teurer.

In allem zumindest für mich eine tolle Abwechslung zu „normaleren“ Veranstaltungen, bin mir ziemlich sicher daß ich bei dem Haufen nochmal mitfahre, für 2018 ist zumindest schon mal ein „westlicher“ Lauf geplant, in Pferdsfeld/Hunsrück, ehemaliger BW-Flugplatz, danach Opel Testgelände, aktuell verwaist bzw. für ähnliche Veranstaltungen anmietbar.

 

Bildrechte: Jürgen Renardy und Stockmeyer Fotografie

 

Von |2018-04-03T10:00:19+00:003. April 2018|Allgemein, Automobil, Oldtimer, Rennsport, Veranstaltungen|0 Kommentare

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