Die meisten, die sich bereits mit der Rennsportgeschichte der Automobilmarke Triumph beschäftigt haben, werden Robert Kastner, in der Szene bekannt als „Kas“ Kastner kennen. Er hat ab den 1950er Jahren eine so bedeutende Rolle gespielt, dass er zu Recht zu den Legenden des Motorsports gezählt wird. Diesen April ist er im Alter von 92 Jahren verstorben. Ein guter Anlass, einen kurzen Blick auf sein Schaffen zu werfen und an ihn zu erinnern!

„Kas“ Kastner (30. August 1928 – 11. April 2021) feierte seine Erfolge als Serienwagenfahrer in den späten 1950er Jahren und wurde im Jahr 1959 Klassenmeister des California Sports Car Club sowie Gewinner der Meisterschaft des SCCA. Seine Meisterschaften gewann er auf einem TR3A Triumph von 1958.

 

 

Robert Kastner in den frühen 1960er Jahren

In den frühen 1960er Jahren wurde „Kas“ Kastner erster Manager der amerikanischen Wettbewerbsabteilung von Triumph. Zu dieser Zeit war er bereits auf diversen Rennstrecken unterwegs und sein technisches Know-How floss in zahlreiche Tuning-Handbücher für die Marke Triumph ein.

Wir mit einem Triumph erfolgreich einen fahren wollte, las und arbeitete mit seinen Büchern.

 

Fahrerisches Talent und Verständnis für Motortechnik als entscheidende Faktoren

Sein erstes Rennen als Pilot eines MG TD fuhr der 24-jährige 1952 auf den Straßen von Aspen,Colorado. Neben seinem fahrerischen Talent, lernte Robert Kastner genauso schnell, wie man Motoren modifiziert und umbaut. Er machte sich daher schnell ein Ruf als schneller Fahrer mit schnellem Fahrzeug!

Sein anhaltender Erfolg trieb Kastner immer weiter in die Welt des Automobils. So übernahm er 1958 bei CAL Sales (Triumph Importeur für 11 westliche Bundesstaaten) die Position des Serviceleiter. Schon bald sammelte er mit seinem TR3 Rennsiege und gewann ein Jahr später die wettbewerbsintensive „Class E Production Championship“.

Das Aus im aktiven Motorsports

Dann kam eine Weichenstellung in Kastners Karriere. Als die britische Triumph Konzernzentrale CAL Sales kaufte, legte sie fest, dass Führungskräfte im Rennsport nicht mehr mitfahren durften.

Kastner gab zwar so ein aktives Leben als Rennfahrer auf, setzte aber alles daran, Triumph auf der Rennstrecke schneller zu machen und den Einstieg in den Rennsport zu erleichtern. Er begann mit der Herstellung von Tuningteilen und schrieb Handbücher zur Wettbewerbsvorbereitung, die es jedem mit Schrauberfähigkeiten ermöglichen sollten, seine Entwicklungen zu verbauen und eigene Renn-Träume zu verwirklichen. Ergänzend startete Kastner noch ein innovatives Fahrer-Trainingsprogramm, dass eine Brücke zwischen Seitenlinie und Strecke für jene schuf, die sich vom Amateur zum Piloten eines Triumph-Rennwagens entwickeln wollten.

Triumph Werksrennsport

Für Langstreckenrennen wie Le Mans führte er Modifikationen an Werksrennwagen durch (zum Beispiel Zylinderkopf-Bearbeitungen) unter anderem auch am legendären Macau Spitfire.

Ein markantes Projekt in dieser Zeit war der Triumph TR250 K, ein Renn-Prototyp, der eigens für das 12 Stunden Rennen von Sebring Entwickelt wurde und von Kastner getunte Triumph Technik unter einer radikalen aerodynamischen Karosserie trug.

Mit seinen Erfolgen blieb „Kas“ Kastner auch jenseits der USA nicht unentdeckt

Die British-Leyland Chefetage erkannte sein Talent und bat ihn, 1970 die Motorsport-Aktivitäten für alle Marken des Konzerns zu leiten. Er lehnte mit dem erstaunlichen Grund ab, angesichts der drohenden Ölkrise eine düstere Zukunft für den Rennsport zu sehen.

Dennoch blieb er dem Rennsport zunächst treu. Mit John Brophy leitete er Triumph-Teams in der SCCA (Rennserie des Sports Car Club of America), in den drei Indy Car 500-Meilen Rennen, in der Can-Am-Serie und in der Formel 5000 Serie.

Als die Energiekrise Mitte der 1970er Jahre Kastner-Brophy-Racing endgültig ein Ende setzte, entwickelte er Aftermarket-Turboladersysteme, die in eine Vielzahl von Autos eingebaut werden konnten. Er kam damit dem Turbo-Trend der achtziger Jahre zuvor 👍.

Erfolgreiche Jahre bei der Nissan Motor Corporation

Im Jahr 1986 trat Kastner der Nissan Motor Coperation bei, um deren Motorsport-Team zu leiten. Große Erfolge kamen hinzu. In nur drei Jahren erreichte Nissan mit Kastner die IMSA GTP-Meisterschaft, um anschließend drei Jahre hintereinander die Hersteller Meisterschaft und vier Jahre hintereinander die Fahrer Meisterschaft zu gewinnen.

Der Lärm turbogeladener Motoren und jubelnder Fans verstummte schließlich für Kastner als er 1995 in den Ruhestand ging.

In den 2000er Jahren startet der „Kastner Cup“

Einige Jahre hatte Kastner keinen Kontakt zur Motorsport-Welt – bis seine Frau Paddy vorschlug, ein Oldtimer Autorennen zu besuchen.

„Ich dachte, niemand würde sich an mich erinnern oder sich darum kümmern“ erinnert sich Kastner, „ aber als ich ankam sah ich drei Triumph in meinem Rennfarben, und einer der Piloten bat mich, sein Auto zu unterschreiben. Sie alle fingen an mir Fragen zu stellen.“

Inspiriert durch diese Erfahrung begann Kastner in den frühen 2000er Jahren, die Triumph Renngemeinschaft erneut zu bereichern indem er beschloss, den Kastner Cup“ zu organisieren. Die Veranstaltung, ein reines Triumph Rennen, findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt.

Als Rennsport- und Auto-Enthusiast verband sich Robert Kastner auf diese Weise wieder mit der Triumph-Rennszene, die er Zeit seines Lebens entscheidend mit gestaltet hat. Was für ein ereignisreiches Leben, dass im Zeichen von Autos, Motoren, Rennsport und Technik stand. R.I.P. „Kas“ Kastner.

 


Danke an Jörg Hoffmann für die vielen Hintergrundinformationen 😀

Danke an http://kaskastner.com/ für die erteilten Bildrechte.