Wir sind ja seit vielen Jahren in der Oldtimer-Szene aktiv und es haben sich daher viele Bekanntschaften und Freundschaften mit Gleichgesinnten entwickelt. Einige haben sehr ausgefallene kleine Sammlungen mit seltenen Klassikern oder gar Prototypen. Grund genug hier im Blog ab und zu ein Fahrzeug vorzustellen.

Starten möchte ich mit dem Lotus Esprit Turbo HC „styled by giugiaro“, Baujahr 1986 (Modelljahr 1987) unseres Freundes Lars. Es handelt sich um den zweiten Turbo HC in der Farbe „Calypso Red“ mit schwarzer Innenausstattung, der seinerzeit nach Deutschland geliefert wurde!

Im übrigen wurden vom Lotus Turbo Esprit HC nur insgesamt 180 Stück gebaut und davon ca. 60 als LHD.

„Ich habe den Esprit 2010 bei B&B Motorsport in Dürnau entdeckt. Der Besitzer Ralf Burk gilt in der Lotus Esprit Szene als der Spezialist für alle 4 Zylinder Esprits. Damals stand der Wagen noch mit Getriebeschaden als Kundenfahrzeug bei Ralf in der Werkstatt und zog schon zu der Zeit mein erhöhtes Interesse auf sich. Drei Monate später wurde ich mir mit Ralf Burk einig und kaufte das inzwischen von ihm zuvor vom Kunden erworbene Fahrzeug. Nachdem das Getriebe revidiert wurde konnte ich meinen Esprit auf eigener Achse 650 Km ohne Probleme nach Hause fahren.“ Lars Hoffmann

Entwicklungsgeschichte des Lotus Esprit

Der Lotus Esprit debütierte 1976 als Weiterentwicklung des Lotus Europa. Die Optik ist geprägt vom Italienischen Design, damals unter der Leitung von G. Giugiaro. Die besondere, traditionelle Lotus-Technik, bei der eine Kunststoffkarosserie auf einen verstärkten Stahlplatten-Rückgratrahmen gesetzt wird ist allerdings weiterhin wichtiger Bestandteil. Der Motor ist ein Lotus-getunter Ford inline-4, der schließlich von einem 2.0L/158 PS Anfangshubraum auf 2.2L/161 PS im Serie 2 Modell erweitert wurde.

Leistungssteigerung war beim Lotus Esprit gefragt

Um in den 80er Jahren mithalten zu können, musste unbedingt die Leistung gesteigert werden. Es gab allerdings keinen Platz mehr, um den Hubraum zu vergrößern; daher wurde ein Garrett-Turbolader eingebaut. So feierte der Lotus Esprit Turbo in den 80er Jahren sein Debüt mit einer Leistung von 207 PS. 1981 wurde das Fahrwerk der NA-Modelle mit dem des Turbo-Modells vereinheitlicht und zur Serie III weiterentwickelt. Mit erhöhtem Ladedruck wurde er 1986 auf 212 PS gesteigert.

Geburt des Esprit Turbo HC

1986 wurde die Karosserie des Lotus Esprit von Giugiaro in einen selbst entworfenen, modernisierten Stil weiter entwickelt. So entstand der Lotus Esprit Turbo HC. Das Modell unseres Freundes Lars! 👍

Der Turbo HC war die letzte Evolutionsstufe der Serie 3 und wurde auch nur ca. acht Monate lang gebaut. Mit etwa 180 gebauten Exemplaren ( davon ca. 60 LHD ) relativ selten. Der überarbeitete Motor mit nun Mahle Schmiedekolben und einer erhöhten Kompression von 7,5:1 auf 8,0:1 brachten ihm den Zusatz HC (High Compression). Diese Veränderung und der Einsatz von zwei 45er Dellortos anstelle von zwei 40ern und die Erhöhung des Ladedrucks brachten 5 PS mehr Leistung und eine Steigerung des Drehmoments von 270 Nm auf 300 Nm. Der gleiche Motor wurde dann in das Nachfolgemodell x180 Lotus Esprit Turbo eingebaut. Daher sind die späten HC die besten Esprits der Serie 3, da sie schon über die wesentlich besseren Motorkomponenten verfügen.

Bis in die 90er Jahre entwickelte sich der Lotus Esprit mit weiteren Verbesserungen wie einem Kraftstoffeinspritzer weiter, aber seine Leistung verbesserte sich nicht wesentlich. Dies veranlasste Lotus, den Motor durch einen 3,5L V8 Twin Turbo zu ersetzen; den V8GT und den V8SE. Beide Versionen erreichten damit eine Leistung von über 355 PS, obwohl der GT 55kg weniger wog als der luxuriöse SE. 1999 wurde das limitierte Modell Sports 350 für Rennserien vorgestellt. Mit einem Gewicht von nur 1300 kg war es eines der bis dahin leichtesten Modelle!

Die Karosserieform wurde erst für das Modelljahr 1988 geändert. Das Design stammt von Stevens und die 1993 nochmals überarbeitete Karosserie stammte von Thomson. Das Facelift vom 2002 V8 kam von Carr.

Chronologische Entwicklung bis 1998 der Lotus Esprit Modelle

  • 1975: Weltweite Einführung des Esprit S1, angetrieben durch den Lotus Motor Typ 907. 1977 und der Lotus Esprit war in dem James Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ zu sehen.
  • 1978: Einführung des Lotus Esprit S2.
  • 1980: Esprits werden mit 2,2 Liter Motor ausgestattet und der Turbo Esprit wird mit 210 PS und überarbeiteter Federung auf dem britischen Markt eingeführt.
  • 1981: Einführung des Esprit S3 unter Verwendung des Turbo Esprit Fahrgestell. Zweiter Auftritt im James Bond Film „For Your Eyes Only“.
  • 1988: Der stark überarbeitete Esprit Turbo mit neuer Karosserie und neuem Innenraum wird eingeführt. Die Karosseriekonstruktion wird stärker und im VARI-Verfahren geformt.
  • 1989: Der Esprit Turbo erhält eine elektronische Multi-Port-Kraftstoffeinspritzung (MPFI), eine verteilerlose Zündung und ein stärkeres Getriebe mit verbesserter Übersetzung. Der Esprit Turbo SE wird mit einem 280 PS starken ladeluftgekühlten Motor eingeführt.
  • 1990: Lotus Cars USA führt das Team des Esprit Turbo SE im SCCA World Challenge Cup ein –– 4 Siege aus 8 Rennen.
  • 1992: Doc Bundy, der den Lotus Sport X180R fährt, gewinnt den Fahrertitel in der nationalen Sportwagenserie der USA (Bridgestone Potenza Supercar). Tom Langeberg gewinnt die niederländische Serienwagen-Serie im Lotus Esprit. Einführung des Esprit Sport 300 bei NEC: — der bisher leistungsstärkste Lotus. Der auf dem X180R basierende Sport 300 verbindet Rennstrecken-Performance mit Straßenlage in einer dramatischen Variante der klassischen Lotus-Esprit-Form.
  • 1993: Der Lotus Esprit S4 kommt raus –– die neue Karosserie umfasst dynamische Verbesserungen und es gibt jetzt eine serienmäßige Servolenkung. Darüber hinaus geht der Lotus Esprit Sport 300 in Serie und zwei Lotus Esprit Sport 300s fahren in Le Mans.
  • 1994: Der Esprit S4 wird auf der Birmingham Motor Show angekündigt. 300 PS Spitzenleistung in einer S4-basierten Karosserie, mit neuen Rädern, Michelin-Reifen und überarbeiteten Fahrwerkseinstellungen, um die gesteigerte Leistung abzudecken. 
  • 1996: Auf dem Genfer Automobilsalon stellt Lotus den Esprit V8 vor, der von einem speziell angefertigten Lotus V8-Motor angetrieben wird. Der 3,5-Liter-Motor mit Doppelturboaufladung leistet 350 PS bei 6500 U/min und ein Drehmoment von 295 lb ft bei 4250 U/min. Der Motor ist beeindruckend klein. Der Motor ist modular aufgebaut und kann sowohl eine 4-Liter-Saugmotorversion als auch eine Familie von V6- und Vierzylindermotoren unterstützen. 
  • 1997: Lotus stellt seinen Espirt V8 PPG Pace Car auf der North American International Auto Show in Detroit vor. Das Auto ist mit O.Z. Racing. Rädern, Euro-Scheinwerfern und einer einzigartigen PPG-Lackierung ausgestattet, die spezielle, lichtdurchlässige Partikel enthält, die in der Schwebe gehalten werden, so dass der Lack bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen die Farbe von Schwarz zu Gold wechseln kann.
  • 1998: Lotus Esprit V8 debütiert auf der London Motorshow mit überarbeitetem Innenraum, verbessertem Schaltmechanismus, Doppelscheibenkupplung und neuem ABS-System. Eine GT-Version des V8 feiert ebenfalls Premiere.

Wie in meiner Überschrift bereits geschrieben, ist der Lotus Esprit ein sehr stark polarisierendes Fahrzeug. Das Design ist sicherlich nicht Jedermanns Geschmack, passt aber perfekt in die Zeit. Die Leistung ist beindruckend und das Interieur absolut „Bond-Like“. Davon konnte ich mich selbst überzeugen auch wenn mir persönlich die runden Formen des Lotus Elite erheblich mehr zusagen 😉.