Leider werden momentan nach und nach die geplanten Veranstaltungen rund um den klassische Motorsport storniert und somit werden auch die netten Plauderstunden mit Gleichgesinnten fehlen. Leider kommen wir erst einmal nicht mehr so schnell zusammen und es gibt dann natürlich vorerst auch keine Beiträge zu schönen Treffen und Events. Bleibt mir also noch das Projekt, regelmäßig schöne Klassiker aus unserem Umfeld hier im Blog vorzustellen 😎

Machen wir also mit dem Ferrari 348 tb von Günter weiter, den er vor über 28 Jahren gekauft hat. Selbstverständlich hat Günter mir auch erzählt, wie es dazu gekommen ist.

Lange bin ich Alfa Romeo GTV gefahren. „Mein“ Händler vertrat zu dieser Zeit auch die Marke Ferrari. Aus geschäftlichen Gründen musste ich leider den GTV durch ein viertüriges Fahrzeug ersetzen da ich häufiger  Kunden mitnehmen musste. Ich behielt aber den Kontakt zum besagten Autohaus Krüger in Hannover weiter. Meine Frau Adele zwang  mich dann eines Tages die Entscheidung für einen Ferrari zu treffen 😉.  Ihr Argument war unschlagbar: Günther, mit 70 brauchst du keinen Ferrari mehr zu kaufen!

Also rein in die Verkaufsbude Ferrari: Ich möchte einen 348 bestellen!

Die Antwort des Verkäufers: Dann legen sie mal 20.000 DM auf den Tisch. Danach werden wir eine Bestellung entgegen nehmen. Jetzt muss man wissen, dass der Ferrari 348 damals als Spekulationsobjekt gehandelt wurde. Mit einer Anzahlung wollte man diesem Umstand offensichtlich  entgegen zu wirken. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und zahlen. Meine Frage nach einer Bürgschaft, der Liefertermin sollte erst in 2 Jahre sein,  wurde mit einem  müdem Lächeln beantwortet und dem Hinweis der Verkaufsraum hat eine Ausgangstür.

Nach einem halben Jahr, welch Wunder, wurde mir mitgeteilt ein Kunde wäre vom Vertrag zurückgetreten und deshalb könnte ich das bestellte Fahrzeug früher als vorgesehen bekommen.

Am 10.04.1992 war es dann soweit. Zulassung, Schlüsselübergabe und die erste Ausfahrt zu meinem Onkel nach Schleswig.

Den Umgang mit dem Ferrari und das Kennlernen einer Rennstrecke  durfte ich dann in zwei Fahrerlehrgängen in Mugello üben. Dann folgten diverse durch Ferrari organisierte Ausfahrten. Diese führten auf diverse Rennstrecken, auf denen wir uns sehr schön austoben konnten. Super Veranstaltungen.  Jedes Mal ein Erlebnis 👍

Mein alter Ferrari hat noch immer sein erstes Kennzeichen und zum Dank, dass er mich von 1992 bis 2019 in Putlos ohne jegliche Reparatur begleitet hat, habe ich ihn auch noch nie abgemeldet.

 

 

Ein paar Details zum Ferrari 348 tb

Gebaut wurde das Modell, als Nachfolger des Ferrari 328, von 1989 bis 1995 in einer Stückzahl von 2.894. Er wurde zunächst als 348 tb Berlinetta– und als 348 ts Targa-Version (4.228 Stück) angeboten, später kam noch ein Spider ( 1.146 Stück) hinzu. Angetrieben wurde er durch den neu entwickelten 3,4 Liter V8-Motor aus dem wenige Monate zuvor vorgestellten Ferrari Mondial

Das neue Modell war in Sachen Karosseriestil und Fahrwerkbauweise eine ziemlich radikale Abkehr der Design-Philosophie der Vorgänger-Modelle. Beide Modelle, tb und ts waren die ersten Serienfahrzeuge bei Ferrari die keinen separaten Stahlrohrrahmen besaßen. Es wurde hier ein Pressstahlrahmen mit einem separaten Stahlrohrrahmen verwendet und die Karosserieteile wurden von Robotern geschweißt und angeschraubt!

Die von Pininfarina entworfene Karosserie hat große Ähnlichkeit mit dem Testarossa, wenn auch kleiner in der Gesamtoptik. Beim 348 tb erinnern zum Beispiel die Lufteinlässe an den Türen und auch die Heckleuchten an das Erfolgsmodell von Ferrari.

 

Die Leichtmetallfelgen haben die bereits bekannten fünf Speichen, mit fünf Radmuttern, unterscheiden sich allerdings durch ein aerodynamischeres Speichenprofil.

Der Motor des Ferrari 348 tb

Der 1989 auf der IAA in Frankfurt präsentierte Ferrari 348 verfügte über eine längst montierten V8-Mittelmotor der eine Leistung von 300 PS (221 KW) generiert die vom neuen, extrem verwindungssteifen Halbmonocoque-Rahmen, äußert effizient auf die Straße gebracht werden. Dabei ist die Bezeichnung 348 vom Hubraum (3,4 Liter) und der Zylinderanzahl (8) abgeleitet worden, während das „T“ für das querliegende Getriebe stand (für das italienische Transversale).

Der V8-Motor hat zwei oberliegende Nockenwellen pro Zylinderreihe und vier Ventile pro Zylinder, sowie 3,4 Liter Hubraum. Der Gesamthubraum liegt bei 3.405 ccm, Bohrung und Hub betragen 85 respektive 75 Millimeter, wobei die Zündkerzen zwischen den Nockenwellen liegen. Der Motor verfügt über eine Bosch Motronic M2.5 Einspritzendes-Zündanlage, die später durch eine M2.7 ersetzt wurde. Am hinteren Ende des Mittelmotors liegt das quer montierte 5-Gang Synchrongetriebe und die Transaxle-Einheit.

Gefahren bin ich ihn leider selbst noch nicht, aber ich denke, dass ich Günter mal um eine Testfahrt bitten werde 😎

1994 wurde der Ferrari 348 übrigens durch den Ferrari 355 ersetzt.


Bildrechte: Günter Renardy, Hildesheim