Wo soll man in diesem besonderen Jahr anfangen? Am besten mit der großen Freude, als nur wenige Tage vor Abfahrt zur Veranstaltung endlich fest stand, dass der OGP tatsächlich stattfindet 👍 Wir hatten nicht mehr daran geglaubt und hatten bis zuletzt gehofft… war es doch das erste Mal, dass wir als Teilnehmer in der Vintage Sports Car Trophy gemeldet waren und nicht nur als Zuschauer hinfahren wollten.

Unser Riley Baujahr 1935, bei dem wir noch ganz kurzfristig um das Vorwahlgetriebe bangen mussten, stand perfekt vorbereitet in der Garage und Scharte mit den Hufen. Zu selten sind mittlerweile leider die Veranstaltungen, bei denen auch eine nennenswerte Anzahl Teilnehmer mit Vorkriegsrennwagen teilnehmen.

Die Wettervorhersage war gut, auch wenn uns die Temperaturen etwas hoch für die Eifel erschienen, vor allem vor dem Hintergrund, vier Tag auf Parkplatz D10 im Camping Bus zu wohnen. Aber egal, dieses Jahr nehmen wir jede Veranstaltung gelassen an und freuen uns, dass sie überhaupt stattfinden darf.

Oldtimer Grand Prix in der Light Version

5.000 Zuschauer wurden kurzfristig ebenfalls zugelassen, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen. Bei einem Event der zu normalen Zeiten mehr als 50.000 Fans anzieht, eine ganz kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Durch die Einschränkung, dass diese wenigen Zuschauer auch nicht in die Fahrerlager durften, haben wir tatsächlich nur sehr wenig von ihnen mitbekommen. Das ist auf jeden Fall für beide Seiten sehr schade gewesen, da das Zusammentreffen von Besuchern und Teilnehmern in den Fahrerlagern auch den Reiz ausmacht. Traurig also vor allem für alle OGP-Fans, wir konnten ja wenigsten fahren.

Gut organisiert trotz besonderer Corona-Zeiten und Einschränkungen

Es geht also am Donnerstag in der Früh mit dem ganzen Tross von Braunschweig nach Nürburg. Am Nachmittag endlich angekommen läuft alles sicher anders als gewohnt ab, aber wir müssen feststellen, dass das ganze AVD-Team trotz der wirklich extremen Einschränkungen sehr bemüht ist, alles reibungslos für die Teilnehmer zu gestalten. Insgesamt ist alles für uns sehr entspannt da der Andrang sehr reduziert ist. Kein Gedränge, keine Warteschlangen… wäre da nicht die große Hitze 😅

Unser privates Hotel, inkl. Sonnenterrasse ist schnell auf Parkplatz D10 eingerichtet und bezogen!

Nun steht auch unser Programm fest, erster Lauf am Freitag nach 17.00 Uhr auf der Grand Prix Strecke. Es folgen am Samstag einmal eine Stunde Nordschleife, Grand Prix Strecke die zweite, Ausfahrt durch die Eifel und am Sonntag noch einmal auf die Nordschleife. Klasse, hoffentlich hält der Riley durch!

Leider auch Nachts keine Abkühlung

Nach einer ziemlich heißen Nacht in unserem Bus, bringen wir also am Freitag früh morgens unseren Riley in das historische Fahrerlager und suchen uns eine schöne Box aus. Über den Tag füllt sich das Lager etwas, wobei es leider kein Vergleich mit den „normalen“ Jahren ist. 16 Veteranen haben sich angemeldet, darunter unter anderem BMW 328 (1938), Mercedes Benz 720 SSKL (1930), Mercedes Benz 710 SSK (1930),Aston Martin Speed Ulster (1937), Vauxhall Special Dragon, Wolseley Hornet Special (1935), Alfa Romeo 6 C (1930). Ein kleines aber schönes Feld bei dem wir ziemlich am Ende der Nahrungskette stehen. Egal wir lieben unseren Riley 12/4 Sports und es gibt immer einen größeren Fisch. 

Nebenbei viel Zeit um sich in den anderen Fahrerlagern umzusehen

Da wir am Freitag recht spät starten, nutzen wir die Zeit um uns im normalen Fahrerlager umzusehen und Bekannte zu treffen. Da ist unser Freund und Schrauber Michael Strauß mit seinem Morgan +4 der bei gleich zwei Serien gemeldet ist, der „A Gentle Drivers Trophy (AGDT)“ und die “2-sitzige Rennwagen und GT bis 1960/61”. Darunter unter anderem auch das immer sehr schöne Abendrennen am Samstag.

Sehr beeindruckend auch das Team um unseren ProtoChampSerie Mitstreiter Georg Hallau aus Berlin der gleich mit drei Boliden darunter Lotus 23 (sehr sehr schön), Lola T 310 inkl. Werkstatt und TruckHome angereist ist. Eine ganz andere Liga! Wir sind wirklich beeindruckt, nicht nur von seinen Fahrzeugen sondern auch von seiner Leistung und seinem Ruf in seiner Klasse. TOP!

Auch schön, dass Harry Jr. die Leidenschaft seines verstorbenen Vaters weiterführt und mit dem Mac Laren mitfährt. Wie uns berichtet wurde jedes Jahr ein wenig erfolgreicher.

So ist die Zeit zwischen unseren eigenen Fahrten extrem kurzweilig und Reklamationen gibt es von unserer Seite nur in Richtung Petrus der es dieses Jahr mit der Sonnenleistung etwas zu gut gemeint hat. Temperaturen um die 35 Grad am Tag und 23 Grad in der Nacht sind für Mensch und Maschine dann doch recht strapaziös.

 

Ach ja und Rennläufe gab es ja auch noch zu sehen  😀

 

Die Vintage Sports Car Trophy eine Klasse für sich

Unser Riley soll ja drei Tage durchhalten und muss daher entsprechend klug gefahren werden. Hierzu kann Henner am bestem selbst etwas sagen. Ich als Beifahrerin musste hauptsächlich darauf achten mich weder am Getriebegehäuse im Fußraum noch am offenen Auspuff links von mir zu verbrennen.

 

Der immer wieder äusserst freundliche OGP-Schutzmann in seiner historisch-originalen Uniform zeigte uns den Weg vom alten Fahrerlager zur Grand-Prix-Strecke. Die Startaufstellung wurde eingenommen und endlich senkte sich die Startflagge, nachdem der Wagen schon fast mit der Strecke hitzebedingt verschmolzen war. Reifen aufwärmen – full included. Im Sekundentakt nahmen die alten Rennwagen Tuchfühlung mit der Strecke auf und so gleich ging es nach einer etwas abschüssigen scharfen Rechtskurve in die Mercedes-Arena.

Für den Riley war die Welt in Ordnung, enge Kurven bei guter Strassenlage, sein Element. In “Klein Monaco” (Mühlenbachschleife) war dann Bremswirkung gefragt, die zugegebenermassen nur dezent (im Vergleich zu modernen Wagen) vorhanden ist; hier geht es zum tiefsten Punkt des Kurses. Im “Schumacher-S” war dann die volle Leistung erforderlich, bergauf, links-rechts Kombination, der Riley war am Limit. Der vierte Gang zu schwach, der dritte zu stark. Oben angekommen folgten endlich wieder scharfe Kurven um nach der Billstein-Rechtskurve in die Top-Speed-Passage einzutauchen. Hier rauschten auch schon die Hubraum-Elefanten an mir vorbei um zu betonen dass Top-Speed ein relativer Begriff ist.

Nachdem ich gerade das Gefühl des “Parkens” erlebte, musste ich dann doch kurz vor der Veedol-Schikane diskret anbremsen um dann im dritten ausgedrehten Gang bis zur Start/Ziel-Geraden zu fliegen. Atemberaubend! Zwar wanderte mein Blick immer mal wieder über Wassertemperatur und Drehzahl, aber eine Rennstrecke ist eine Rennstrecke. Mein alter Kumpel: “Gib alles”, und er folgte willig meinem Ruf, der allerdings ziemlich bei der Konkurrenz verhallte. Resümee: Ich wäre gerne noch viele Runden weiter gefahren.

 

Ganz anders dann die Nordschleife. Eine äusserst anspruchsvolle Stecke der ich lange nicht gewachsen war, allerdings auch nie das Gefühl hatte, dass extreme Leistung gefordert sei. Die relativ wenigen Vorkriegsrennwagen verloren sich auf der Strecke und so fuhr ich doch oft alleine wie bei einer Ausflugsfahrt auf einer Einbahnstrasse bergauf/bergab im links/rechts Rhythmus durch die Wälder der Eifel. Nur wenn sich mal ein Spielkamerad zu mir gesellte, kam mir der Hauch der alten Romantik in die Nase. “Romantik” ist diesem Zusammenhang zwar ein schöner Begriff, der beim durchfahren damals aber sogleich zur “Grünen Hölle” mutierte. Mein aufrichtiger Respekt den alten Recken. Aber auch hier war die einstündige Fahrzeit schnell vorbei.

Henner Ruth

 

Von der angenehmen Fahrt auf der Nordschleife hat uns unser neuer Freund Jürgen einen wunderbaren Kurzfilm zusammengestellt (moderne Technik ist alles) auf dem wir gemeinsam mit ihm unsere Runden drehen. Vielen Dank für die Arbeit 👍 

 

 

Was ist noch erwähnenswert? Unsere Ausfahrt durch die Eifel hat nur 5 Km gedauert…

Die Kupplung hatte sich verhakt. Besser auf der Landstraße als auf der Rennstrecke. Herr Schulz vom Veranstaltungsteam kam schnell zur Hilfe um Henner abzuholen und zu unserem Anhänger zu fahren.

Die Wartezeit bis Henner samt Anhänger zurück kam war sehr kurzweilig da ständig freundliche Anwohner anhielten und ihre Hilfe anboten. Vom Ferienwohnung-Besitzer um die Ecke mit eigenen Anhänger und Werkzeug  bis zum Mechaniker und Vergaser-Spezialist war alles dabei. Zurück im Fahrerlager konnte unser Freund Michael den Schaden schnell wieder beheben und so konnten wir am Sonntag noch einmal ausgiebig auf der Nordschleife fahren.

Neben dem Fahren bleibt das wichtigste… die Menschen

Wie so oft bei solchen Veranstaltungen lernt man einfach richtig tolle Menschen kennen. Wir hatten das Glück sowohl auf dem Camping-Parkplatz als auch im historischen Fahrerlager unter anderem die Bekanntschaft mit Manuela und Jürgen aus Brühl (der Filmproduzent von oben 😉) zu machen. Sie waren mit ihrem Wolseley Hornet Special (1935) angereist und alleine die kurze Zeit Abends bei kaltem Kölsch aus dem Pössl-Kühlschrank war die Reise wert. Ein tolles Paar mit dem Herzen am richtigen Fleck 😍

Grund genug, die beiden nach ihrem Eindruck zum Event zu fragen:

Und immer wieder schließt sich der Kreis der individuellen Leidensgenossen. Auf dem am Nürburgring durch Covid-19 geschrumpften Oldtimer-Grand-Prix 2020 machten wir doch wieder die Feststellung, dass Leidensgenossen trotz solcher widrigen Umstände – wenn auch nur in kleiner Schar – dem diesjährigen OGP in seiner Form die Ehre gaben.

Hierbei machten auch wir wieder die Erfahrung, dass man sich im Leben immer zweimal sieht. Wir hatten das Vergnügen ein Team, mit dem wir 2013 am GP Rudolf Caracciola teilgenommen, aber nie gesehen hatten, näher kennen zu lernen. Bei ausgiebigen langen abendlichen Gesprächen mit Reisdorf Kölsch (kurz: Reisi) und Wein stellte sich heraus, dass wir viele gemeinsame Freunde haben.

Auf diesem Wege bedanken wir uns bei Katia und Henner für die kurzweilige schöne, aber auch sehr heiße Zeit beim diesjährigen OGP 2020. In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.

Manuela & Jürgen

 

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir am Sonntag Abend zwar sehr erschöpft aber auch sehr zufrieden wieder Zuhause angekommen sind. Es war klasse, dass wir die Gelegenheit hatten, auf dem Ring zu fahren. Die Grand Prix Strecke macht auch als Beifahrer enormen Spaß. Hoffen wir, dass nächstes Jahr wieder alles etwas normaler läuft und auch Zuschauer wieder diese tolle Veranstaltung im vollen Umfang genießen können.


Danke an Manuela, Jürgen, Michael, Torsten und Wolfgang Keuser, für die Bereitstellung der Bilder und Videos 👍