Unser diesjähriger Reise- und Veranstaltungskalender war Corona bedingt sehr ausgedünnt.  Daher hat es uns besonders gefreut, dass unsere geplante Oldtimer-Reise nach Süd-Tirol nicht ausfallen musste 😀. Wir hatten im Februar auf der Messe in Bremen unsere Teilnahme an einer Oldtimer-Reise des Veranstalters „Deutsche Oldtimer-Reisen“ gebucht. Wie in einem vorangegangenem Beitrag bereits beschrieben, bietet Udo verlockende Ziele zum sehr anständigen Preis an. Unsere Wahl viel auf die  Vinschgau Deluxe HistoTour.  Normalerweise sind wir eher Individualreisende aber dieses Mal wollten wir mal einer Gruppenreise mit Gleichgesinnten wagen.

Lange waren wir unsicher, ob die Tour  stattfinden würde aber am 17. September ging es dann doch ans Auto- und Kofferpacken 👍. Wir waren mit zwei Fahrzeugen gemeldet, mit unserem Riley Baujahr 1935 und dem Porsche 911 Baujahr 1971. Beide sollten herbstliche Bergluft schnuppern und vor allem Alpenpässe bezwingen!

Anreise von 800 Kilometern mit Zwischenstopp an der Mainschleife

Erst einmal mussten wir allerdings die knapp 800 Kilometer Anfahrt bis nach Prämajur bewältigen. Der ganze Tross mit Porsche, Mercedes-Bus, Anhänger samt Riley standen am Freitag früh bereit für den Start Richtung Mainschleife zum schönen Weingut Patrizierhof. Begleitet werden wir von Andreas und Tina im strahlend blauen Ferrari Super Fast die ebenfalls an der Tour teilnehmen, allerdings als Mechaniker-Crew für alle Teilnehmer. Ein wirklich guter Service des Veranstalters. 

 

In Großlangheim erwartet uns am späten Nachmittag die nette Winzerfamilie für ein gutes Abendessen bei Wein aus eigenem Anbau 😋 Selbstverständlich vergessen wir morgens vor der Abreise nicht noch ein paar Flaschen einzukaufen.

Weiter geht es Richtung Alpen und Pämajur

Am Samstag nach dem Frühstück geht es dann weiter nach Süd-Tirol. Nach dem Fernpass und dem Reschenpass sind es nur noch ein paar Kilometer bis nach Prämajur in das schöne Berghotel Watles auf 1.750 Meter. Schon die kleine Passstraße von Mals hoch zum Hotel ist die Reise wert 👍. Gut zu wissen, dass wir ihn in den nächsten Tagen täglich fahren werden. Das Hotel liegt malerisch im Berg und bietet auch aus unserem Zimmer einen wunderbaren Blick ins Tal.

 

Nach einen guten Abendessen, erstes Kennenlernen der anderen Teilnehmer (17 Fahrzeuge) und einer angenehm ruhigen Nacht, geht es am Sonntag zur ersten Tour los. Treffpunkt und Abfahrt ist auf angenehme 09.30 Uhr an der Liftstation oberhalb des Hotels angesetzt.

Die Touren unterliegen keinem Gruppenzwang

Bei dieser Veranstaltung handelt es sich glücklicherweise nicht um eine Jagd um Pokale mit Aufgaben und Streckenposten, sondern die Tagestouren sind als Empfehlung ohne Gruppenzwang angelegt. Wir haben als Teilnehmer ein Roadbook für die Woche erhalten in dem die Tagestouren anhand von markierten Kartenabschnitten verzeichnet sind. Optional gibt es jeden Tag eine Mittagspause mit üppigem Essensangebot worauf wir allerdings zugunsten zusätzlicher Fahrzeit gerne  verzichtet haben.

In Abhängigkeit von Fahrgeschwindigkeit und Laune werden sich in den nächsten Tagen unterschiedliche Gruppen herausbilden. Die einen präferieren eher das gemütliche Auto-Wandern und legen den Schwerpunkt auf Sightseeing und einige wenige wollen wissen, was ihr Motor und fahrerische Können auf den Pässen so hergibt… wir gehörten eindeutig zur zweiten Gruppe 😂

Ein großes Lob muss für die ausgearbeiteten Touren ausgesprochen werden! Am Sonntag haben wir uns mit der kleinen Gletscher-Runde warmgefahren. Es ging über den Reschenpass nach Prutz zurück und über die Kaunataler Panoramastrassen auf 2.750 Höhenmeter hoch. Das Wetter war erheblich besser als vorhergesagt und so machten die 29 Kehren der Kaunataler Gletscherstrasse auf 26 Kilometer extrem viel Spaß. Riley und Porsche schnurrten mühelos die fast leeren Passstrassen hinauf. Allein die dünne Luft machte sich bei den Vergasern bemerkbar.

Zurück im Hotel wurde am Sonntag Abend die nächste Tagesetappe ein wenig umgeplant da für den Mittwoch Schneefall angesagt worden war. Kurzerhand wurde entschieden die für Mittwoch geplante Königsetappe zum Stilfserjoch bereits am Montag zu fahren. Es wäre ja sehr schade gewesen am Mittwoch vor dem gesperrten Pass zu stehen.

Der zweite Tag somit das reinste Passvergnügen, wir führten mit dem Riley und dem Porsche mittlerweile die Gruppe derer an, die Lust auf Tempo hatten und heizten nach Kräften die Kehren des Stlfserjoch, des Passo de Foscagno und des Passo d’Eira rauf und runter. Es war nicht das erste Mal für uns aber noch nie hatten wir die ganze Strecke hoch keinen anderen Wagen vor uns!

Gut, wenn ein Fachmann in der Nähe ist!

Der großartige Mechaniker-Service ist Henner mit dem Riley am dritten Tag sehr gut zu Pass gekommen, hatte die Benzinpumpe doch gegen Mittag ihren Dienst aufgegeben.

Nach zweimaligen Dienstversagen, stand uns Andreas ganz schnell auf unserem Notparkplatz zur Seite und nahm die Angelegenheit gemeinsam mit Henner fachmännisch in die Hand. Da wurde die Benzinpumpe kurzerhand ausgebaut, in Einzelteile zerlegt, der Übeltäter in Form von Schmutzpartikel ausfindig gemacht und wieder eingebaut. Dreißig Minuten und die Maschine bekam wieder Saft 👍

Oldtimer-Zauber im Kellergewölbe des Hotel Watles

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass der Besitze des Hotel ebenfalls der Oldtimer-Fangemeinde angehört. Neben dem Skikeller verbirgt sich ein kleines aber feines Museum mit allerlei Kostbarkeiten die vor allem Vespa-Herzen höher schlagen lassen. So wurden wir freundlicherweise an einem der Abende zum Apperitiv in die heiligen Hallen eingeladen. Eine kleine Augenweide!

Der Umbrailpass – mein Favorit

Besonders gut gefallen hat uns auch die Tour der einsamen Täler-Fahrt. Hier ging es rund um den 3.905 Meter hohen Ortler. Vor allem der Umbrailpass (2.501 Meter) hat es uns angetan, die Fahrt nach oben das reinste Vergnügen, auch heute wieder mit absolut freier Fahrt! Schön war es ebenfalls bei dieser Gelegenheit einen Abstecher nach Livigno zu machen wo wir seit Jahren regelmäßig zum Skiurlaub pilgern. So konnten wir auch eine kleine zollfreie Shoppingtour bei unserem präferierten Supermarkt machen und unseren Lieblingswein aus der Region nachkaufen.

Wintereinbruch im September

Der vorhergesagte Kälteeinbruch kam dann nicht am Mittwoch aber am Freitag. Morgens schien noch die Sonne und ließ nichts schlimmes erahnen. Ab Mittag schlug das Wetter auf Sturm um als wir gerade einen kleinen Pass oberhalb von Meran in Angriff genommen haben. Äste und Blätter inkl. Steingeröll machten sich auf der Straße breit und wir waren froh, den Berg unbeschadet wieder herunter gekommen zu sein. In Meran erwarteten uns überflutete Strassen, Sturm und leichtes Verkehrschaos. Endlich wieder aus der Stadt gekommen, konnten wir auf die zwischenzeitlich mit Puderzucker überzogenen Berghänge blicken. Dort oben, wo unser Hotel lag und die Wiesen am morgen noch grün waren, hätte man jetzt gut eine Schlittenfahrt unternehmen können 🙈

Etwas sorgenvoll dachten wir an unsere morgige Abfahrt nach Hause mit Sommerreifen auf dem Anhänger und natürlich auch auf dem Porsche…

Alles gut gegangen, wir sind sicher und sehr gut wieder nach Hause gekommen. Eine Woche mit sehr viel Fahrspaß und eine richtig schöne Abwechslung in diesem Veranstaltungsarmen Jahr 2020 👍