Seit vielen Jahren fahren wir schon bei der ein oder anderen Veranstaltung gemeinsam im Kreis herum. Regelmäßige Treffen sind seit 2009 ein fester Bestandteil unserer Freizeit. Dieses Jahr bleibt leider ein großes Fragezeichen da bisher alle geplanten Veranstaltungen abgesagt wurden.

Reinhard, von uns Timmy genannt, ist ein alter Hase im klassischen Motorsport und hat mich schon bei unserer ersten Begegnung beeindruckt. Zum einen gefiel mir der kleine Lotus Super Seven sofort und zum anderen konnte ich sehr schnell erkennen, dass Reinhard mit seinem Fahrzeug eine perfekte Einheit bildet! Als seien sie zusammengeschmolzen, sobald er sich in den Fahrersitz setzt. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass Timmy grundsätzlich nur mit dem Super Seven seine Runden dreht, wo hingegen viele Fahrer bei unterschiedlichen Veranstaltungen auch unterschiedliche Fahrzeuge nutzen.

 

Timmy und sein Lotus Super Seven S2

Timmys kleiner Liebling wurde mit der Fahrgestellnummer SB 1809 erstmalig 1963 zugelassen und war demnach wahrscheinlich ein self built, also eine Teilelieferung zum Selbstaufbau. Der Vorteil war, dass man Innereien wie Motor, Bremsen etc. selbst wählen konnte.

Wie üblich bei meinen kurzen Fahrzeugvorstellungen, habe ich Timmy um ein paar persönliche Details und Hintergrundinformationen gebeten:

 

Erzähl uns bitte ein paar Hintergründe zu deinem Lotus Super Seven S2 Timmy

Er hat einen 1598 ccm, Lotus TwinCam Motor mit sagen wir mal ca. 180 PS 😉. Die Maschine, das Fahrwerk und das Getriebe wurden im Laufe der Jahre immer mehr von der Fa. MCH Motorsport in Absprache „verfeinert“. Die maximale Drehzahl liegt bei 9.600 U/min., ist aber begrenzt auf 8.500 U/min.

Gekauft habe ich den Wagen 1983 von einem guten Freund aus Göttingen (dieser hatte 3 Seven , S2 , S3, sowie einen S4 in der Garage ). In Berlin wurde mein Seven dann erstmal unter die „ Lupe“  genommen und wesentliche Dinge wie Motor und Bremsen überarbeitet sowie auch das Fahrwerk verstärkt.

Die ersten Rennerfahrungen habe ich dann ab 1984 gemacht —  Der „ PRIX MARITIM „  , eine großartige ADAC-Veranstaltung auf abgesperrten Landstraßen (Freitags) sowie eine kleine Rundstrecke auf dem Travering in Bad Oldesloe waren genau das Richtige für den kleinen Racer. Hier durfte noch auf Zeit gefahren werden – und siehe da, Timmy hat gut in der Spitze mitgespielt.

Somit war mein Rennfieber entfacht, und bis heute habe ich jährlich so an ca. 5 bis 8 Veranstaltungen jährlich in Deutschland und auch in Nachbarländern teilgenommen.

Unvergesslich sind die Zeiten mit dem VFV ab  ca. 1986, wo ich viele tolle Mitstreiter kennenlernen durfte: Willi Budcinski, Leo Schiewek und einige mehr.

Die damalige Tschechoslowakei mit MOST, Brünn und etlichen Stadtkursen in Kleinstädten waren immer Höhepunkte   –  mann haben wir Spaß gehabt 😂👍.

Neben den sportlichen Ausflügen bin ich mit meinem Seven aber auch sonst viel unterwegs gewesen. Drei Mal Lotus-Treffen Europa in der Schweiz bei Fredy Kumschick, auf Achse hin und zurück und zwischendurch die Alpen durchquert.

Meine schönste Ausfahrt hatte ich jedoch 1984
Da bin ich von Berlin allein durch die DDR, dann nach München, die Alpen hoch, die Französischen Seealpen runter nach Cannes, dann nach Nizza, St. Tropez, zurück nach Monaco, Genua, Rapallo, Portofino und schließlich am Meer entlang bis nach Rom gefahren. Auf der Hinfahrt habe ich Station gemacht, wo es mir oder sie mir gefallen hat 😉. Dann eine Woche in Fregene am Strand (dort haben die reichen Römer ihre Strandhäuser, wobei die Herren meistens arbeiten).

Die Fahrt zurück nach Berlin bleibt unvergesslich: Ich bin tatsächlich offen, bei unterschiedlichen Wetterbedingungen (Sonne, Regen, Kälte …..) nur mit Tankstopps in 17 !!!!  Stunden von Rom nach Berlin gefahren. Der Wagen hat nicht gemuckt, nur auf der damaligen DDR-Autobahn ist  mir vorn eine Rahmen-Strebe gebrochen.

 

Lotus Super Seven S2 in Kürze

Die Liste der Sportwagen-Modelle die bis heute noch gebaut werden und eine so lange Geschichte haben, ist recht kurz. Zum Super Seven gesellen sich zum Beispiel der Porsche 911 oder der Morgan. Wobei am Lotus die wenigsten Änderungen im Laufe der Jahre stattgefunden haben und er daher sicher heute noch am ursprünglichsten aussieht. Er wird bis heute noch von Caterham hergestellt!

Self Built?

Oben hatte ich ja geschrieben, dass Timmys Lotus wahrscheinlich ein self built, also eine Teilelieferung zum Selbstaufbau war. Was steckt dahinter? Zur damaligen Zeit, Mitte der 50er Jahre waren in Großbritannien fertig aufgebaute Fahrzeuge  mit einer hohen Steuer belegt. So bot Lotus seine Fahrzeuge als Bausatz an! Die Legende sagt, dass den Bausätzen keine Anleitung beigefügt werden durfte. Chapman lieferte den Kunden deshalb eine Demontageanleitung, die zum Zusammenbau einfach in umgekehrter Reihenfolge abgearbeitet werden musste.

Leistungsgewicht ist alles!

Die Karosserieteile sind von einem filigranen Gitterrohrramen getragen. Chapmans Credo war schon früh „Adding power makes you faster on the straights, substracting weight makes you faster everywhere“ 👍  Nach diesem Grundsatz konstruierte er den Rahmen des Seven, die meisten Rohre hatten einen Durchmesser von nur 1 oder ¾ inch (2.54 oder 1.905 Zentimeter).

Angetrieben wurden die ersten Seven von unterschiedlichen Motoren. Chapman verbaute Triebwerke von Coventry-Climax, BMC und Austin.  

Im Juni 1960 wurde die Serie 2 eingeführt. 

Er verfügte über einen ohv-Vierzylinder-Motor der BMC-A-Serie aus dem Austin A35 oder Morris Minor mit 948 ccm und einem SU-Einfachvergaser. Das Verdichtungsverhältnis lag bei 8,9:1. Die Leistung lag damals bei 37 PS bei 4800 U/min. Der Gitterrohrrahmen des S1 wurde überarbeitet, das Rohrwerk reduziert und das Karosserie-Bugteil wurde nun aus Fiberglas gefertigt. Zudem erhielt der S2 Lotus Seven A einen neuen Kühlergrill mit einer neu gestalteten Frontpartie. Das Leergewicht von nur 436 kg verhalf ihm zu einer Höchstgeschwindigkeit von 136 km/h und den Spurt von 0-100 km/h absolvierte er in 14,3 Sekunden.

Timmys Lotus Super Seven S2 (1500) wurde im September 1962 eingeführt

Der Lotus Super Seven 1500 verfügte bei der Einführung über einen Ford 116E Cortina-ohv-Vierzylinder-Motor mit 1498 ccm und einem Weber-Doppelvergaser 40 DCOE auf einem Lotus-Ansaugkrümmer. Die Leistung lag bei 66 PS bei 4600 U/min. Die Cosworth-Version hatte ein Verdichtungsverhältnis von 9,5:1, zwei Weber-Doppelvergaser 40 DCOE, einen Vierrohr-Fächerkrümmer sowie einen modifizierter Zylinderkopf und eine neue Nockenwelle. Die Leistung lag bei 95 PS bei 6000 U/min

Die Kraftübertragung erfolgte über ein Vollsynchronisiertes Ford-Cortina-GT-Vierganggetriebe auf eine Standard-Triumph-Hinterachse mit einer Hinterachsübersetzung von 4,1:1. Vorne verfügte der S2 Lotus Super Seven über die Einzelradaufhängung des Lotus 12 mit Dreiecksquerlenker unten und Hebelquerlenker mit Stabilisator oben und mit Triumph-Herald-Achsschenkeln. Die Hinterachse wurde über einen am Differentialgehäuse angelenkten, dreischenkligen Hilfsrahmen und zwei einzelne Schubstreben geführt. Der Gitterrohrrahmen und die Karosserie entsprach dem S2 Lotus Seven A. Er hatte bei einem Radstand von 2235 mm eine Länge von 3353 mm, war 1481 mm breit und (mit geschlossenem Verdeck) 1092 mm hoch. Das Leergewicht von nur 470 kg verhalf ihm zu einer Höchstgeschwindigkeit von 166 km/h und 0-100 km/h absolvierte er nunmehr in 7,7 Sekunden!

Ach ja, ein Bausatz der Cosworth-Version kostete 1962 645 £.


Bildrechte: Reinhard Timm und Katia Grosjean