Wir haben Jörg, seine Frau Sabine und Tochter Laura seit 2010 bei vielen Gelegenheiten rund um die ProtoChampSerie getroffen und fanden es immer klasse, dass meist die ganze Familie beteiligt war. Grund genug, mit ihm ein kleines Interview zu führen um mehr über seine persönliche Affinität zu schönen, kleinen und vor allem roten Rennwagen zu erfahren. 

Jörg, erzähl uns bitte wie und wann du an die Droge BENZIN gekommen bist

Nichts hat mein Leben bis heute mehr beeinflusst wie meine Benzinsucht. Das fing schon im Kindertagen an. Mein kleiner roter Jaguar E mit beigen Sitzen war von allen Spielautos mein liebster. Mir war klar, dass war das Auto meiner Träume. Meine Droge ist und bleibt: BENZIN 😜

Welches war dann dein erstes Auto?

Gut, mein erstes Auto war ein Fiat 500, nicht ganz die Form und die Leistung wie ein Jaguar. Und er war schmutzig weiß und nicht rot 😂. Nach einem Jahr habe ich ihm eingetauscht gegen ein VW Käfer, er war orange, das kam der Farbe schon mal näher. Danach ein Opel Kadet C wieder in orange und die Form war auch etwas näher dran. 

Der Jaguar E-Typ ist es dann aber doch nicht geworden?

Schön wäre es schon gewesen aber der Preis… also musste ich mich nach einer Alternative umsehen. Zu der Zeit gab es einen Fiat X 1/9. Den fand ich ganz schick. Schön keilförmig, voll im Trend. Jetzt kommt mein lieber Papa ins Spiel, der fand das Auto nämlich stillos. Englische Autos haben Stil, wenn kein Jaguar wie wäre es mit MG oder Triumph? Damit wiederum hatte ich mich noch nie mit beschäftigt. Ein paar Wochen später, nachdem wir bereits einen MG besichtigt hatten, rief Papa mich an und erzählte dann ganz nebenbei „Ach übrigens, in der Zeitung steht ein Triumph in Barsinghausen, wollen wir uns den mal anschauen? Klar wollte ich 👍

Es wurde mein erstes richtiges Auto. Ein weißer Triumph Spitfire 1500 Baujahr 1977. Er war leider weiß mit schwarzen Sitzen aber ich war King of the Road und hatte kein bisschen Ahnung von Autos. Tanken konnte ich. Das war es. Schnell wurde mir klar das Auto war nicht alt, aber eigentlich ein Oldtimer.

Das mit dem weißen Spitfire war aber doch ein richtig guter Einstieg, wie ging es weiter?

Ja, jetzt hatte ich viel Zeit und ich hing an der Nadel, absolute Suchtgefahr 😜. Dann ging die Kupplung kaputt und mir wurde schnell klar – das wird teuer. Bei meinen Garagenplatz stand noch ein Triumph, ein auberginfarbener GT 6 MKII. Der Besitzer des GT 6, mit dem ich ins Gespräch kam, erzählte mir das er bei British Leyland schraubt und Kupplung tauschen zu zweit kein Problem sei. Getriebe raus, Kupplung tauschen, Getriebe rein. Man braucht nur Zollschlüssel. Getriebe raus, Getriebe rein, Zollschlüssel? Wo ist das Getriebe und was sind Zollschlüssel? 🤔 Egal, wir tauschten zusammen die Kupplung in einer Tiefgarage in Hannover Linden. Und es fuhr wieder!!!!

…und nun kommt das rote Muster ins Spiel?

Wie schon erwähnt, das Auto war nicht alt, aber dennoch irgendwie ein Oldtimer. Die ganze Technik war stand 1960, das Blech ohne Korrosionsschutz in England zusammengebraten. Nach 5 Jahren waren die Schweller durch. Was also machen? Verkaufen Nach einer Beratung mit Sabine beschlossen wir das Auto zu behalten. „Für wie lange“ „Na, für immer“

Wir waren mittlerweile beide süchtig. So fing ich an 1982 das Auto komplett zu zerlegen. Der Rahmen wurde feuerverzinkt, die Radaufhängung zerlegt geschliffen und lackiert. Erst immer die eine Seite, dann die andere. So hatte ich immer ein Muster. Den Motor habe ich so gelassen, lief ja gut, Diff und Getriebe auch nur gesäubert und lackiert. Dann alles wieder an den Rahmen geschraubt und ab in die Werkstatt zu Fritz. Dort bekam der Spiti dann zwei neue Schweller und eine neue Lackierung. Natürlich rot!

Mein Traum stand nun in meiner Garage. Ein roter Sportwagen mit beigen Sitzen! Okay, es war kein Jaguar-E, na und?

Wie ist dann das neue, weiß blaue Muster entstanden?

Weiß blau steht nicht für Bayern. Weiß mit blauen Streifen waren die Rennwagen des Cunningham Racing Teams. 1982 fing es eigentlich schon an. Wir waren jung und voller Träume. Wir das sind in diesem Fall mein Freund Andreas Dreisel und ich. Zusammen besuchten wir mehrfach den Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring. Da packte es uns- das Rennfieber. Auf der Rückfahrt im Polo bauten wir dann unseren ersten Rennwagen. Natürlich einen Triumph Spitfire. Aber es dauert noch 8 Jahre bis wir diesen Traum in die Tat umsetzten.

Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht? Acht Jahre Abstinenz?

Nein, natürlich nicht. Bei einzelnen Renneinsätzen holten wir aus unseren „Straßenspitis“ das letzte raus und wurden auch letzte 🙈😂. Also wurde Andreas und mir klar es muss ein Renner her. So gründeten wir Ende 1989 das Double Triumph Racing Team. Ein auf 5 Jahre begrenztes Projekt. 1989 unterschrieben wir den Kaufvertrag für einen Spitfire MKIII. Weiß war er, und dem stolzen Besitzer entgleisten die Gesichtszüge als wir ihm erzählten was wir vorhatten. Inneneinrichtung raus, Stoßstangen weg, Frontscheibe und Dach, nur Ballast. Zuhause in meiner Garage fingen wir gleich damit an. Zutage kam erstmal Rost… Addi flickte es fachmännlich, es hält bis heute. Wir setzten erstmal auf Sicherheit, Bremsen, Fahrwerk, Reifen. Nach ein paar Wochen waren wir fertig.

Ab 1990 die schönen Rennerlebnisse

Unser erster Einsatz fand beim TR Slalom Verkehrsübungsplatz Hannover. Unser Renner schaffte es bis Strecke, dann war das Benzin alle 🙈 . Wir hatten an alles gedacht, nur nicht ans tanken! Also Sprit besorgt, und dem tanken tief einatmen, Luft anhalten, ausatmen. Nach ein paarmal spürten wir es. Benzin verdünnte unser Blut. Los auf die erste Runde. Und wie schnell, das Teil lief tierisch gut. Nichts konnte uns mehr aufhalten. Wir waren vorne mit dabei. Addi wurde im zweiten Lauf immer schneller, er fuhr bis zur vierten Runde Bestzeit, dann ein fürchterlicher Dreher und ab ins Grün. Wir hatten zu wenig Reifendruck und ein Reifen hatte sich von der Felge gewalkt. Ich konnte unsere Ehre noch mit einen 3.Platz retten aber der erste war futsch.

Dann ab 1991 hast Du den Spitfire weiter optimiert?

Ich wollte beim Prix Maritim starten und dafür fehlten Überrollbügel, Rennsitz und Feuerlöscher. Dann noch mal einfahren, nachts auf der Landstraße, ich bremste eine Kurve zu stark an und stand quer auf der Straße. Am Freitag, den 26.4.91 stand ich in der Fußgängerzone in Timmendorf vor dem Maritim Hotel. Zirka 100 Oldtimer aus Deutschland, England, Schweden und der ehemaligen DDR hatten sich zur Rallye und zum 1. Lauf des Prix Maritim angemeldet. Ein Blick ins Programm: Oh Schreck, Sonderklasse GT nach 1968 bis 2000ccm Renault Alpine A 110, Lotus Elan….

Wir kamen heil zur ersten Sonderprüfung. Es nieselte leicht. Einzelstart in Minutenabstand. Die Schweden fuhren weiter im Power Slide und schmissen Dreck auf die nasse Fahrbahn. Dann war es soweit ich war dran. DREI-ZWEI-EINS-LOS. Volle Power über nasse, dreckige abgesperrte Landstraßen. In jeder Kurve ein leichtes schwänzeln. Plötzlich die Zeitkontrolle-fast übersehen – auf die Bremse, der Renner fängt sich an zu drehen. Mist auch das noch und ich komme quer auf der Fahrbahn zu stehen. Hole mir meine Zeit, nicht schlecht. Ich liege vor dem Alpine und vor dem Spiti MKII.

Am Ende des Tages kamen wir völlig verdreckt und fertig im Hotel an und hörten die Schreckensmeldungen. Lotus Super 7 Feldausflug gerissene Schubstrebe, aus. Lotus Elan, Motorschaden, aus, Triumph GT6 im Graben, Kühler im Eimer, aus. usw. usw. Aber die Jungs gaben nicht auf. Die Tiefgarage glich bald den Boxen auf dem Nürburgring. Man wollte schließlich morgen beim Rennen auf dem Travering dabei sein!

 

Wie war es mit Deinem Traum die großen Rennstrecken mit dem „Spiti“ zu fahren?

Ziel waren die großen Rennstrecken, davon träumte ich. Uli Uthmann lud mich zu einem TR Rennen nach Colmar Berg ein. Er hatte irgendwie von mir gehört. In Luxemburg traf ich zum ersten Mal bewusst auf die Triumph Rennszene. Mein Auto war den anderen Renner völlig unterlegen, aber mir wurde schnell klar: genau das wollte ich, das war mein Traum!  Alles war noch sehr primitiv und unausgegoren. Aber in der Nacht von 11 zum 12.Juli 1992 entstand unter freiem Himmel die Rennserie TRIUMPH COMPETITION. Und ich war mit dabei 😎

Wie ging es dann mit der TRIUMPH COMPETITION weiter?

1993 in Februar trafen wir uns dann das erste Mal. Wir, das waren die Vertreter vom TR Register, der Triumph IG Südwest, der MG Drivers und ich für den Spitfire Club. Gemeinsam diskutierten wir welche Erwartungen wir hatten und wie ein Reglement aussehen könnte das allen gerecht würde. Es entstand ein Konzept für die TRIUMPH COMPETITION. Aber es gab noch viele Hürden zu überspringen. Zum Beispiel brauchten alle Fahrer eine Rennlizenz und die Autos einen Wagenpass und einen Kat. Und mein Auto brauchte einen Rennmotor mit mehr Leistung. Sollte ich das wirklich alles wagen? Ok, zuerst führte ich ein langes Gespräch mit Sabine über das für und wider, wir beschlossen ein begrenztes Budget, und sie sagte in Ordnung, mach das.

Jörg mit Papa

Zuerst waren wir Anfang Mai zusammen wieder beim Prix Maritim, wie die Jahre zuvor eine tolle Veranstaltung. Ich hatte mir Urlaub genommen und fuhr gleich weiter ins Sauerland und erwarb an zwei Tagen unter Harald Demuth eine Rennlizenz. Dann Ende Mai zusammen mit Papa Luxemburg Colmar-Berg Testrennen der TC. Im Juli 1993 das erste Mal. Der Traum wurde Wirklichkeit. Ich stand mit meinem Spiti, der nun ein Hardtop bekommen hatte, auf dem legendären Nürburgring!

 

Gibt es ein Rennen, dass Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja das Rennen in Zandvoort im August 1996, das „British Race Festival“. Wir, die kleinen waren die stärkste Truppe am Start. Aus 10 Triumph Spitfire bestand die Meute fast alles gleichwertige Renner bis auf Bastuck und Hummel. Die anderen 8 lieferten sich ein Rennen, das die Zuschauer von den Sitzen riss, alle waren im Rennen dicht zusammen. Jede Runde war jemand anders vorne. Am Ende konnte ich das Rennen mit dem 3. Platz beenden. Bei der Auslaufrunde standen die Zuschauer auf den Tribünen und klatschen Beifall.

Bis Ende 1999 habe ich 25 Rennen in der TRIUMPH COMPETITION bestritten. Es war eine tolle Gemeinschaft. Sabine hat mich oft begleitet mein Vater ebenso. Laura wuchst quasi im Fahrerlager auf.

Ab 2000 bist Du etwas ruhiger geworden?

10 Jahre waren wie im Flug verstrichen. Ich stieg in die Rennserie de VFV ein. 2000 – 2003 fuhr man Gleichmäßigkeitsläufe, also gleichmäßig schnell. Dafür musste ich meinen Renner nicht weiter aufrüsten. Ich fuhr halt so schnell wie ich und der Renner es konnten, einen Gegner fand ich immer. Mich störten allerdings die großen Klassenunterschiede und so wechselte ich 2003 in die British Car Trophy

Hast Du auch mal so richtig Pech gehabt bei einem Rennen?

Ja, 2005 bei einem Rennen in Oschersleben. Vor mir ein Fiat Abarth 1000 TC hinter mir eine Meute Minis und ein Sprit. Was macht dieser Kerl da in Fiat, in jeder Kurve schwänzelt das Heck stark und er lenkt hektisch dagegen an…so wird das nichts…werde langsamer und halt das Lenkrad ruhig. Zu spät, direkt vor mir stellt sich der Fiat quer und fängt an sich zu überschlagen, Tür und Motorhaube segeln über die Piste, ich kann gerade noch aufs Gras ausweichen. Als ich stehe kracht ein Mini in mein Heck, auf der anderen Seite krachen zwei andere Minis zusammen. Rote Flagge Rennabbruch. Schnell raus aus dem Auto. Delle hinten links, Rücklicht und Blinker Kaputt. Ab in die Boxengasse ich brauche Tape, irgendjemand reicht mir eine Rolle Gaffer schnell kleben Restart weiter geht’s. Zuhause schaue ich mir dann den Schaden genauer an. Ist wirklich nicht so schlimm. Trotzdem gab mir der Unfall zu denken. Ich richte das Auto, bocke es auf und beschließe: Kalter Entzug, keine BENZIN Droge mehr.

Und dann hat es Dich doch wieder gepackt?

2010 bekam ich einen Anruf: „Hallo, ich heiße Stefan. Ich würde gerne Oldtimer Rennen fahren. Hab gehört von dir. Kannst du mir helfen?“ Klar kann ich, komm vorbei. Er kam, wir gingen in meine Garage. Ich höre mich sagen: „nimm ihn, mach ihn fit auf deine Kosten und probiere es aus. Einzige Bedingung du nimmst mich zu den Rennen mit.“ „Ok“ sagt Stefan.

Drei Wochen später sind wir auf dem Weg zum Nürburg Ring zur Rennanalyse. Nach fünf Jahren Abstinenz war die verdammte Sucht wieder da 🙈😂.

Nach einer Motor-, Bremsen-, Radlagerüberholung stehen wir dann 2011 wieder in Hockenheim am Start. Ich sitze im beim freien Training im Renner und übergebe ihn dann an Stefan, alles ok. Er fährt 4 Rennen mit dem Spiti, ich Starte noch mal bei der Technorama in Hildesheim. 

Wie bist Du dann zur ProtoChampSerie gekommen und wann hat sich Deine Tochter Laura ans Steuer gesetzt?

In Hockenheim spricht mich ein Gerd Pollmann an. Er organisiert kleine private Rennen ohne großes Tam Tam. Das wäre was für Laura, hat sie Lust? Sie hat. Im Oktober fahren wir nach Anklam und Laura platziert das Auto auf einen Flugplatz auf den zweiten Platz.

 

Bei Itzehoe gibt es 2013 zum ersten Mal die Classic Motor Days. Laura startet dort in der kleinen Klasse und fährt super, hätte sie sich nicht gedreht, sie hätte den zweiten Spitfire im Rennen überrundet. Sie hat einen sehr guten Stil.

 

Vielen Dank Jörg für diesen interessanten und ausführlichen Einblick in Dein Leben und Deine Spitfire-Leidenschaft. Es ist immer großartig zu hören, dass auch der Nachwuchs Interesse an den alten Kisten hat. Mit Deiner Förderung kann es dann ja auch noch an die Enkel weiter gegeben werden. Zeit ist ja kein Problem mehr 😉

 


Bilder: Jörg Hoffmann