Porsche ist als Sportwagenhersteller seit 90 Jahren in Sachen Porsche-Kundenentwicklung tätig.

Der überwiegenden Mehrheit ist Porsche vordergründig „nur“ für seine Sportwagen auf der Straße oder Rennstrecke bekannt. Porsche ist allerdings seit 90 Jahren einiges mehr als das und hat sich über diese lange Zeit vom Konstruktionsbüro zum internationalen Technologie-Unternehmen entwickelt.

Technologische Innovationen unter dem Namen Porsche reichen weit zurück: Bereits am 25. April 1931 hatte Ferdinand Porsche sein Konstruktionsbüro in Stuttgart gegründet, seither ist der Name Porsche eng mit Kunden-Entwicklungsprojekten verbunden. 

Ferdinand Porsche, Josef Kales, l-r, 1937, Porsche Engineering

Seit 90 Jahren werden bei Porsche im Kundenauftrag technologische Innovationen vorangetrieben.

Was Ferdinand Porsche mit Pionierarbeiten wie dem Volkswagen begann, führt seit 2001 Porsche Engineering fort und entwickelt heute Technologien für das intelligente und vernetzte Fahrzeug der Zukunft. Die Ingenieure und Software-Entwickler analysieren globale und lokale Markttrends, entwickeln Technologien und Methoden weiter, setzen Innovationsimpulse und bringen diese für ihre Kunden in Serie. 

Porsche Engineering hat mittlerweile einen internationalen Entwicklungsverbund auf dessen Kompetenznetzwerk nicht nur die Konzernmutter zurück greift sondern auch andere Automobil-Hersteller, -Zulieferer und sogar Unternehmen außerhalb der Automobil-Branche!

Eine Chronologie des Erfolges: Entwicklungen „Made by Porsche“

1931: Porsche Typ 7 für Wanderer

Den ersten offiziellen Auftrag bekam das Konstruktionsbüro im Frühjahr 1931 vom Automobilhersteller Wanderer. In extrem kurzer Entwicklungszeit entwarf Porsche einen Sechszylindermotor mit zunächst 1,5 Liter Hubraum sowie das entsprechende Fahrgestell mit Schwingachse. Als Wanderer W21 und W22 realisiert, zeichnete sich das Porsche-intern Typ 7 genannte Modell durch seinen innovativen Leichtmetallmotor aus. Die erstmals im Automobilbau verwendete Porsche-Drehstabfederung sollte sich als eine richtungsweisende Entwicklung in der Fahrwerkstechnik erweisen.

1933: Porsche Typ 22 Auto-Union-Rennwagen

Im Frühjahr 1933 erhielt Ferdinand Porsche von der Auto Union den Auftrag, einen 16-Zylinder-Rennwagen zu entwickeln. Bereits im November 1933 fanden die ersten Versuchsfahrten mit dem Auto-Union-Rennwagen statt, und schon während der ersten Rennsaison 1934 stellte er drei Weltrekorde auf und gewann mehrere Berg- sowie drei internationale Grand-Prix-Rennen.

Auto-Union-Rennwagen Typ C, 1936, Porsche Engineering

1934: Porsche Typ 60

Der Startschuss zum Bau des heute weltbekannten Volkswagen „Käfer“ fiel im Juni 1934, als der „Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie“ (RDA) an Ferdinand Porsche offiziell den Auftrag zur Konstruktion und zum Bau eines deutschen „Volkswagens“ vergab. Die Reichsregierung entschied sich 1936 für den Bau eines eigenen Werks für den Volkswagen, mit dessen Planung und technischer Leitung ebenfalls Ferdinand Porsche beauftragt wurde.

1938: Porsche Typ 64

1938 erhielt das Porsche Konstruktionsbüro von Volkswagen den Auftrag zur Entwicklung eines auf dem Porsche Typ 60 basierenden Rennsportwagens, der bei einem geplanten Langstreckenrennen von Berlin nach Rom an den Start gehen sollte. Unter der internen Bezeichnung Typ 64 entwickelten die Porsche-Techniker bis zum Frühjahr 1939 drei Rennsport-Coupés. Mit einer windschnittigen Stromlinienkarosserie aus Aluminium, verkleideten Radkästen sowie einem modifizierten Volkswagen-Boxermotor erreichte der rund 600 Kilogramm leichte Wagen über 140 Stundenkilometer.

1947: Porsche Typ 360 für Cisitalia

Der erste große Auftrag der Nachkriegszeit kam von dem italienischen Unternehmen Cisitalia. Das Resultat, der 1947 fertiggestellte Rennwagen Typ 360, verfügte über ein hochmodernes Fahrwerk mit Doppellängslenkern vorne und einer Doppelgelenk- Schwingachse hinten sowie einen Allradantrieb und entstand unter der Leitung von Ferry Porsche.

1952: Porsche Typ 542 für Studebaker

In den Jahren 1952 bis 1954 entwickelte Porsche für den US-Automobilhersteller Studebaker eine viertürige Limousine mit selbsttragender Karosserie in moderner Ponton- Bauweise. Die Porsche-Ingenieure entwarfen einen Sechszylindermotor mit drei Liter Hubraum und 78 kW (106 PS) Leistung, den sie sowohl luft- als auch wassergekühlt erprobten.

1973: Forschungsprojekt Langzeitauto

Das im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) durchgeführte Forschungsprojekt Langzeitauto (FLA) entstand als ein den veränderten Umweltbedingungen angepasstes Automobilkonzept. Porsche entwickelte die intern Typ 1989 bezeichnete Studie mit dem Ziel der maximalen Ressourcenschonung. Dazu wurde sie auf eine Nutzungsdauer von zwanzig Jahren und mindestens 300.000 Kilometern Laufleistung ausgelegt. Zur Grundidee gehörte neben einer gezielten Materialauswahl die bewusste Verschleißminderung von technischen Bauteilen.

1981: Kooperation mit Linde

Als Folgeauftrag von Drehwerks- und Kettenantrieben betraute der Lagertechnik-Spezialist Linde Material Handling Porsche im Jahr 1981 mit der Gesamtkonstruktion einer neuen Generation von Gabelstaplern. Neben einem funktionalen Design des Fahrzeugs legten die Ingenieure besonderes Augenmerk auf die Entwicklung eines neuen Fahrerplatzkonzepts, das nach ergonomischen Erkenntnissen gestaltet wurde.

1981 – Kooperation mit Linde

1983: TAG-Turbo Formel-1-Motor

Durch finanzielle Unterstützung des saudiarabischen Geschäftsmanns Mansour Ojjeh konnte der britische Rennstall McLaren in Weissach die Entwicklung eines Formel-1- Turbomotors in Auftrag geben. Das bis zu 1000 PS starke Triebwerk debütierte in der Saison 1983, war zwischen 1984 und 1986 nahezu unschlagbar und verhalf McLaren zu drei Fahrer- und zwei Konstrukteurs-Weltmeisterschaftstiteln.

1983 – TAG-Turbo Formel-1-Motor

1990: Mercedes-Benz 500 E

Für Mercedes-Benz erstellte die Porsche Kundenentwicklung 1990 eine besonders leistungsstarke Variante des Mercedes W124. Dieser war mit einem 5-Liter-V8-Vierventilmotor ausgerüstet. Das Gesamtprojekt wurde bis zur Kleinserienfertigung bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen verantwortet.

1990 – Mercedes-Benz 500 E

1993: Audi Avant RS2

Audi und Porsche entwickelten gemeinsam einen High-Performance-Sport-Kombi, der im Herbst 1993 unter dem Namen Audi Avant RS2 präsentiert wurde. Die 232 kW (315 PS) starke RS2-Variante entstand in Weissach unter Verwendung zahlreicher Bauteile aus dem Porsche-Regal.

1993 – Audi Avant RS2

1994: Opel Zafira

Als der Rüsselsheimer Automobilhersteller Opel in den wachsenden Markt kompakter Großraumlimousinen einsteigen wollte, beauftragte er 1994 Porsche mit der Entwicklung des Zafira auf Basis des Modells Astra. Die Porsche-Ingenieure entwarfen die Rohkarosserie, adaptierten Antriebsstrang, Radaufhängung und Elektrik, übernahmen den Prototypenbau, den Fahrzeugversuch und die Fertigungsplanung.

2002: Renn-Rodel für Georg Hackl

Für den Renn-Rodler Georg Hackl entwickelte Porsche Engineering einen Wettbewerbsschlitten, bei dem er während der Fahrt die Dämpfung verändern und so eine höhere Kurvengeschwindigkeit erzielen konnte. Das Ergebnis: Silbermedaille für „Hackl Schorsch“ 2002 bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City (USA).

2007: Cayago Seabob

Auf batteriebetriebenen Fahrspaß auf der Wasseroberfläche und in der Tiefe zielt der Seabob des Herstellers Cayago. Für das Wassersportgerät entwickelten die Ingeni-eure von Porsche Engineering 2007 drei Elektronikkomponenten: den Akku-Manager, die Motorsteuerung und das Bedienteil mit grafischem Display.

2007: Cayago Seabob

Seit 2014: Hochvolttechnik für Elektrofahrzeuge

Für leistungsstarke Elektrofahrzeuge entwickelt Porsche Engineering Antriebssysteme und weitere Lösungen auf Basis der innovativen 800-Volt-Technologie. Dabei baut Porsche Engineering auf vielfältige Erfahrungen auf, die unter anderem mit dem Porsche 919 Hybrid gewonnen wurden. Für den LMP1-Prototyp entwickelte Porsche Engineering den kompletten Energiespeicher – von der mechanischen Struktur über die komplette Systemsteuerung bis hin zum Testing. Das Batteriesystem des 919 Hybrid war der Wegbereiter für die Einführung der richtungsweisenden 800-Volt-Architektur im Porsche Taycan, die dem Elektrofahrzeug heute zu seinen hohen Fahrleistungen verhilft.

Porsche 919 Hybrid, Porsche LMP Team: Timo Bernhard, Brendon Hartley, Earl Bamber

2016: Scania S-Serie und R-Serie

Für die 2016 vorgestellte neue Modellreihe schwerer Nutzfahrzeuge des schwedischen Herstellers Scania entwickelte Porsche Engineering eine völlig neue Fahrerhausgeneration inklusive der erforderlichen Produktionsprozesse. Mit ihrem Know- how aus der Entwicklung ausgesprochen steifer und leichter Karosseriestrukturen ent- warfen die Porsche-Ingenieure einen besonders crashsicheren Kabinenrohbau, in dem Stähle verschiedener Festigkeitsstufen zum Einsatz kommen.

Scania 520 S V8 6×2 Highline with trailer

Seit 2019: Virtuelle ADAS-Entwicklungsmethodik

Porsche Engineering hat eine Simulationsumgebung erschaffen, in der Funktionen von „Advanced Driver Assistance Systems“ (ADAS) virtuell trainiert und getestet werden können. Dabei setzen die Programmierer unter anderem „Game Engines“ ein. Das sind Software-Tools, die eigentlich für die grafische und physikalische Simulation in Computerspielen gedacht sind, sich aufgrund ihrer realistischen Widergabe der Fahr- zustände aber auch für ADAS-Entwicklung eignen. Innerhalb kürzester Zeit können die Software-Experten komplexe Verkehrsszenarien durchspielen, auf Knopfdruck Parameter wie Sonneneinstrahlung, Witterungsbedingungen oder das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer ändern und dabei auch Grenzsituationen abdecken, die mit Realtests auf der Straße nicht oder nur mit hohem Risiko nachgestellt werden könnten.

2020: MAY Sonnenschirme

Bei Sonnenschirmen treten aufgrund großer Angriffsflächen bereits bei geringen Windlasten starke Kräfte auf. Um die Stabilität der einzelnen Bauteile und der Gesamtkonstruktion abzusichern, wurden die Sonnenschirme der Firma MAY im Windkanal von Porsche einem Belastungstest unter Extrembedingungen unterzogen.

Die Zukunftsprojekte liegen selbstverständlich im Bereich vernetzte und intelligente Fahrzeuge… es bleibt also spannend!


Wenn ihr noch tiefer in das Thema einsteigen möchtet, empfehle ich euch das im Juni/2021 von Porsche herausgegebene Buch:

EDITION PORSCHE MUSEUM

Porsche Engineering – Vision. Konstruktion. Innovation Pionierleistungen seit 1931

Ihr findet hier 240 Seiten geballte Information zu Ferdinand Porsche, zum Start des Porsche Konstruktionsbüro und allen Entwicklungen und Projekten, die hier oben bereits kurz beschrieben wurden. Sehr interessante Einblicke in die Welt der 1931 gegründeten Porsche Engineering mit vielen Bildern und Detailinformationen. Einfach mal ein ganz anderes Motorbuch!

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240 Seiten, 240 x 295 mm
39,90 EUR • EAN: 9783613320109

Bild- und Informationsquelle: Porsche AG, Presseservice