Als  wir 2021 im August beim „Classic Motor Weekend“ in Obermehler-Schlotheim waren (siehe auch den Bericht hierzu) habe ich auf meinen kleinen Rundgängen während den Fahrpausen, einen charmanten Landsmann mit dem Namen Hansueli Häubi (eindeutig ein Schweizer Eidgenosse) kennengelernt. Ok ich gebe zu, dass ich durch seinen wunderschönen Matra Djet V (5) auf ihn aufmerksam geworden bin und mich auf die Suche nach dem Besitzer gemacht habe 😅.

Das nette Gespräch Vorort, die schöne Geschichte, die er mir zu seinem Matra erzählte und die Visitenkarte mit der Überschrift „Zürcher Oberländer Renngemeinschaft“ hat mich dazu veranlasst nach der Veranstaltung noch ein paar Informationen zusammen zutragen und hier einen kleinen Beitrag zu veröffentlichen. Es ist ja im klassischen Motorsport immer wieder interessant, welche kleinen Geschichten und Hintergründe sich hinter den verschiedenen Teilnehmern und Teams verbergen 😁.  Ich habe also mit Hansueli Kontakt aufgenommen und ihm ein paar Fragen gestellt. 

Hansueli, wenn ich auf eure Webseite gehe, kann ich lesen, dass die Renngemeinschaft aus Dir und Martin Jucker besteht. Was ist die Verbindung zwischen Martin und Dir? Wann und wie habt ihr euch kennengelernt?

Martin und ich sind gerade einmal zwei Tage nacheinander geboren, ich am 15.September 1960 und Martin am 17.September 1960 natürlich nicht im selben Spital und gekannt haben wir uns auch nicht. Ich weiss garnicht genau wie lange das schon her ist, es wird so ca. 1984/85 gewesen sein, meine damalig Freundin und spätere Ehefrau war in seinem Kollegenkreis. Ich nahm aber nur am Rande von ihm Notiz da ich und meine Freundin meistens mit meinen Motorradkollegen unterwegs waren. Neben meinen beiden Motorrädern hatte ich damals einen Renault Alpine A110 1600S (VB) mit Jahrgang 1972 als Strassenfahrzeug und Martin fuhr mit einem Renault R5 Alpine in der Schweizermeisterschaft Rennen bis er beim Bergrennen am Hemberg von der Strecke kam und der R5 schrottreif liegenblieb.

 

 

Später kaufte er sich einen schwarzen Renault R5 Turbo1 für die Strasse den er aber wieder verkaufte und diesem wie ich dem A110 heute noch nachtrauert.

 

 

 

 

Näher kennengelernt haben wir uns erst 1989 als wir beide eine Handelsschule besuchten um unsere Büro-und Geschäftsführungs-Fähigkeiten auf Touren zu bringen. Er machte sich danach als Baumeister selbständig und ich landete bei der Versicherung als Fahrzeug-Sachverständiger wo ich heute noch bin. Wir verloren uns danach aus den Augen und kamen erst 2010 wieder in Kontakt da ich auch am Sonntagsstammtisch den er und einige seiner und auch meiner Kollegen besuchten teilnahm.

Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen AC 3000ME, ich war mehr auf Fahrrad und Triathlon konzentriert. 2012 kaufte ich eine Serie 1 Elise von Lotus, natürlich in gelb.

Ein paar Informationen zu Martins AC 3000ME: Es wurde im Herbst 1978 bei der Firma AC Cars Limited, High Street, Thams Ditton, Surrey GB gebaut. Eines von nur fünf links gelenkten (insgesamt wurden ca. 124 Stück hergestellt). Als eines der ersten, produzierten Fahrzeuge wurde es in der Farbe Mist silver im Januar 1979 an die Firma B.V.Nimag Holland (Mr. Louwman/Louwman Museum) ausgeliefert. 2007 konnte Martin, nach einigen Vorbesitzern, den AC erwerben. Das Fahrzeug wurde in die Schweiz eingeführt und verzollt und am 9.September 2008 wurde es vom Strassenverkehrsamt Winterthur endlich als Veteranenfahrzeug abgenommen und zugelassen 👍

AC 3000ME

Dadurch kam es wieder vermehrt zu gemeinsamen Zusammenkünften bei Treffen von Veteranenfahrzeugen. Martin nahm an Veranstaltungen wie Flugplatzrennen nur auf „Schweizer Art“, heißt Berg rauf und runter, teil. 2015 besuchte ich ihn einige Male bei solchen Anlässen. Da meistens etwas kaputt ging, hatte immer etwas zu Schrauben an seinem AC.

Nach dem Michaels-Kreuzrennen im Herbst 2015 war ich reif und beschloss ein eigenes Fahrzeug zu kaufen, ich wurde bei einem Simca 1200 S Bertone Coupé fündig. Es wurde zerlegt und zum entrosten und ablaugen ins Bad gegeben. Das Ziel war es den Wagen in zwei bis drei Jahren in der Art eines wunderschön aufgebauten Fahrzeug von Hans Exner (leider verstorbener Simca-Spezialist) fertig zu stellen.

Leider oder zum Glück lief mir im August 2016 der Matra über den Weg. Da ich kein Platz für mehrere Fahrzeuge hatte, musste ich mich für den Matra und gegen den Simca entscheiden und verkaufte diesen schweren Herzens.

Ja, an deine schöne Geschichte mit dem Matra kann ich mich noch gut erinnern, erzähl sie noch einmal kurz bitte.

1976 als ich meine Automechanikerlehre in der Kreuzgarage in Hinwil auf Matra/Simca/Sunbeam anfing, gehörte genau dieses Fahrzeug dem dort tätigen Mechaniker Max Trachsler, mit dem ich dann auch ab und zu mitfahren durfte (auf dem Beifahrersitz). Mitte der achtziger Jahre verloren wir uns aus den Augen. Im August 2016 fragte mich ein Reparateur, der die Werkstatt gleich neben meinem Büro hat und mich gut kennt, ob ich wisse, wo er eine Frontscheibe für einen Matra bekomme. Er hätte vom Besitzer den Auftrag die gebrochene Scheibe zu ersetzen und den Wagen zu reinigen, da er diesen „wegen Nichtgebrauchs“ verkaufen wolle.

Auf meine Frage Murena oder Bagheera meinte der, keins von beiden, er hätte noch nie so Einen gesehen, ich könne ihn aber anschauen da er ganz in der Nähe in einer Tiefgarage stehe, vermutlich seit 1990 da eine solche Vignette an der gerissenen Frontscheibe klebe. Einige Minuten später waren wir bereits auf dem Weg. Dort stand er dann, der gelbe Matra. Ich erkannte ihn schon von weitem mit den Gotti-Felgen, war ja noch dabei als der damalige Besitzer diese bei Max Ernst (Maxessoires) in Zürich gekauft hatte 1981.

 

Ich musste ihn unbedingt haben! Gleich so mit gerissener Scheibe, platten Reifen und ziemlich schmutzig.

Wenn man so durch die Fotogalerie auf eurer Webseite klickt, ist schnell klar, dass ihr einige Veranstaltungen mitgemacht habt. Was war der Anlass und und das Ziel die Renngemeinschaft zu gründen und wann habt ihr damit begonnen?

Meinen Matra hatte ich nach einem halben Jahr fertig überholt, es war der Anlass zur Gründung der ZOR 2017 mit dem Ziel unter diesem Namen an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen und dem ganzen ein Gesicht zu geben.

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Gibt es noch andere Mitglieder? Trefft ihr euch irgendwo regelmäßig auch ausserhalb von Veranstaltungen?

Andere Mitglieder haben wir nicht, es war bis jetzt nie die Idee, vielleicht verfolgen wir den Gedanken einmal da wir langsam in Rentenalter sind und mehr Zeit hätten. Wir treffen uns mit Gleichgesinnten jeden Sonntag wenn nichts geplant ist im Flugplatz für Sportflieger und Fallschirmspringer, Restaurant Speck (im-speck.ch) in Fehraltorf, das ist im Zürcher Oberland, in der Region wo wir auch wohnen.

Das sind meistens fünf bis acht Personen, den Alfonso mit dem Giulietta kennst Du von Obermehler. Wir haben aber auch den Hansrudi mit den Ford Sierra Coswort RS500, Hundeknochen Escort und einigen RS Capris, den Peter mit Marcos und diversen anderen Engländern sowie den Rudi, der Motorradfan mit Norton, Ariel und einigen anderen Maschinen. Natürlich haben wir da immer etwas neues zu erzählen oder einer bringt seit Neustem alte Powerslide-Hefte die er ab der Nr. 1 besitzt zum Durchschauen mit. Da wünschten wir uns jeweils in die sechziger Jahre zurück, mit dem Wissen von heute und genügend Geld um all die tollen Fahrzeuge zu kaufen 😂.

Gibt es bereits Pläne für 2022?

Für 2022 werden wir alle die beim Classic Motor Weekend waren, Jacqueline, Roland, Alfonso, Martin und ich demnächst zusammensitzen um die Teilnahme an den möglichen Anlässen zu besprechen und einzuplanen. Das Classic Motor Weekend aber auch das nur eine Woche später stattfindende Pista & Piloti in Pferdsfeld stehen auf der Liste weil man hier so richtig zum Fahren kommt und nicht nur zwei, drei Kilometer den Berg rauf fährt in vier oder fünf Läufen an einem Tag.

Weiter geplant, bis jetzt als Saisonabschluss gefahren, die Eggberg-Klassik in Bad Säckingen an der Schweizergrenze wenn sie nach zwei Ausfällen wegen Corona wieder durchgeführt wird. Zudem könnte sich neu die Montée historique des 3 Epis in Turkheim im französichen Elsass als Saisonabschluss anbieten da man diese von jeweils im Juni auf Ende September vorschoben hat um die Infrastruktur vom ein oder zwei Wochen früher stattfindenden französischen Rennmeisterschaftslauf nutzen zu können.

 

Alles tolle Anlässe, den schönen gelben Matra zu bewegen! Danke für die Informationen und Anekdoten. Ganz sicher werden wir uns das ein oder andere Mal wieder über den Weg laufen und ich freue jetzt schon darauf 😀!


Weitere Infos unter: https://www.zorgem.ch/

Bildrechte: Hansueli Häubi