Ende April konnte der aufgrund von Covid-19 verschobene „Monaco Historique Grand Prix“ wieder stattfinden. Es war der 12. Lauf des Grand Prix of Monaco. Eine spannende Motorsportveranstaltung für historische Grand Prix, Voiturettes, Formel 1, Formel 2 und Sportwagen. Für Fans des klassischen Motorsports ein Highlight und eine Augenweide.

Ein passender Zeitpunkt also um einen Gastbeitrag unseres Oldtimer-Freundes Dr. Dietrich Merkel auf dem Blog zu veröffentlichen. Dietrich konnte 2004 als Fahrer mit seinem FJ Wagen LOLA MK 2 am Monaco Historique Grand Prix teilnehmen. Eine tolle Erfahrung, aber lest selbst…

 


Von Dr. Dietrich Merkel, Braunschweig

 

4. Monaco Historique Grand Prix (MHGP)

Ein weiteres „highlight“ während meiner Teilnahme an internationalen Rennveranstaltungen in der historischen Szene war der 4. Monaco Historique Grand Prix (MHGP) vom 15. bis 16. Mai 2004. Der erste MHGP fand 1997 auf der GP-Strecke statt; der Erfolg war so groß, dass der „L’Automobile Club de Monaco“ beschloss, weitere Veranstaltungen dieser Art durchzuführen. Und zwar zeitnah zum normalen Formel 1 GP, (i.A. zwei Wochen vor der Formel 1 Veranstaltung) , da so die gesamte Organisation und sehr aufwendige Einrichtung der Rennstrecke und Tribünen nur einmal erfolgen musste. Der gesamte Ablauf der Veranstaltung richtete sich nach FIA-Regeln der Formel 1, nur das die Dauer für Training (20 Min.) und Rennen (30 Min.) begrenzt war.

Das Bild zeigt die damalige und heutige Strecke in Monaco, sie ist 3,337 km lang und führt durch die Häuserschluchten der Stadt. Auslaufzonen gibt es nicht und die Fahrbahn ist mit Metallzäunen begrenzt, also eigentlich reichlich gefährlich.

 

Historische Formel Junior – im Jahr 2004

Für die historische Formel Junior – im Jahr 2004 nur Formel Junior Fahrzeuge mit Frontmotor und Trommelbremsen – waren am Samstag (15.05) zwei „Qualifying Session“ und am Sonntag (16.05) ein „Race“ angesetzt. Die Anmeldung für den MHGP erfolgte durch unsere Organisation Formula Junior Historic Racing Association (FJHRA) , das Startgeld betrug damals 2700,00 €. Gemeldet hatten sich 34 FJ-Fahrzeuge der Baujahre 1958 – 1960.

Ich persönlich hatte mich mit meinem FJ Wagen LOLA MK 2  angemeldet. Die wesentlichen Daten: Fordmotor 1,1 L, ca. 120 PS bei 9000 UpM, Gewicht 405 kg, 4-Gang Getriebe, Vmax ca. 210 km/h, 0 -100 km/h ca. 6 sec.

 

Das Qualifying am Samstag

Im Jahr 2004 war gerade das neue Fahrerlager (parallel zur Rennstrecke zwischen Schwimmbad und Rascasse) fertig, und die Formel Junior waren die Auserwählten und durften die neuen Boxen belegen.  Am Samstagmorgen pünktlich um 8.00 Uhr begann das erste Training Nr, 1. Natürlich kannte keiner die Strecke und so fuhren alle den Kurs etwas vorsichtig ab. Rundenzeiten zwischen 2.06 und 2.45 min. ; meine mit 2.21 Min. mittig (14ter von 33).

Kurz vor Schluss des Trainings blieb ich liegen, ein Kreuzgelenk der linken Antriebswelle war abgerissen – ein großes Pech!! Ein neues Kreuzgelenk war schnell gefunden, aber leider war die Gabel der Antriebswelle verbogen. Hilfsangebote kamen zu Hauf und mit der Hilfe von Bill (Moorland-FJ) und seiner kleinen Werkstatt im Wohnmobil, gelang es mit Feilen und Biegen die Gabel halbwegs zu richten. Dann konnte ich die Halbwelle wieder einbauen, aber das zweite Training um 14.30 Uhr war inzwischen ohne meine Teilnahme gelaufen. Die Rennleitung erlaubte aber dennoch die Teilnahme am Hauptrennen am Sonntag.

Das Rennen am Sonntag

Wir, die Formel Junior mit 31 Rennwagen, starteten pünktlich am Sonntag um 10.00 Uhr; Dauer 30 Minuten. Nach der Formationsrunde begann dann das eigentliche Rennen, ich startete von Platz 21. Die ersten Runden fuhr ich mit meiner weidwunden Antriebswelle vorsichtig, dann war es mir egal, und ich bin voll gefahren. Endergebnis: Nach etlichen Überholmanövern landete ich auf Platz13, beste Rundenzeit 2.12 Min. !

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Die Bilder zeigen Vorbereitung, Startaufstellung und LOLA MK2 auf der Strecke. Eine Aufzeichnung des Rennens ist bei Youtube (Monaco Historic Grand Prix 2004; 4th. Historic GP  Monaco 2004 Front Engined Formula Junior Cars; 2 Filme) zu sehen.

Der Rennsonntag endete mit einer großartigen Party als Gala Dinner im „Salle des Etoiles“ im Monte-Carlo Sporting Club, den Prinz Albert mit seiner damaligen Freundin eröffnete.

Fazit: Natürlich ist Monaco etwas besonderes; eine Strecke auf der sich seit 1927 die berühmtesten Rennfahrer in die Siegerlisten eingetragen haben. Einmal dabei sein! Heute liegt das Startgeld bei 6.200,00 €, dazu kommen Reisekosten, Hotelkosten und Kleingeld, macht grob mal eben 10 Mille+. Die meisten Teilnehmer lachen darüber und lassen ihre Rennwagen und Mechaniker aus Japan oder Amerika einfliegen.

Natürlich  Sir Stirling Moss

Insgesamt war ich dreimal beim MHGP, zweimal als „Mechaniker“ bei Freunden, einmal als Teilnehmer. Immer aber war Stirling Moss dabei. Meine Frau Brigitta war so mutig, ihn und seine Frau um ein Bild zu bitten, und so entstanden diese Bilder 2008 bei der Startaufstellung am „Quai Antoine 1er“ und weitere Bilder beim Rennen; er fuhr mit der Nr. 7 einen Frazer Nash Replika.

Der Milliardär: Ned Spieker

In der Formel Junior fuhr oft ein Amerikaner mit seinem LOLA MK 2 mit und hat uns  mit großartigen Gesten verwöhnt. So auch mehrfach bei dem MHGP. Ned mietete für die Zeit des Formel 1 GP  und des Historique GP  – also meist für drei Wochen – ein im Hafen liegende Jacht einschließlich Catering.

 

Auf dieses Schiff lud er (und seine Frau Caroline) seine Rennkollegen zu Champagner, Buffet und Small Talk ein. Er startete in weiteren Rennen mit einem Alfa Romeo P3 (Bj. 1932), einem Frazer Nash Replika Le Mans (Bj. 1950); das bedeutet, er lud mindestens drei Gruppen mit jeweils ca. 30 Rennkollegen ein ! Ich habe ihn nie gefragt, was denn diese 3 Wochen gekostet haben !? Was solls, einmal bei Sonnenschein am Hot-Whirl-Pool einer Millionenjacht, Blick auf die Rennstrecke wo gerade „Ferrari Clienti“ ihre Runden drehten, ein Glas „Veuve Clicquot“ in der Hand, welches von reizenden Damen stets nachgefüllt wurde – unvergesslich! 

 

Danke Dietrich für diese schönen Einblicke, wie gerne wäre ich dabei gewesen 👍

Den ersten Gastbeitrag von Dietrich könnt ihr auch im Archiv nachlesen: „

Über 20 Jahre historische Rennveranstaltungen: Die Leidenschaft unseres Dr. Dietrich Merkel“


Bildrechte: Dr. Dietrich Merkel, Braunschweig