Historische Hamburger Stadtpark-Rennen seit 1934 und wie alles begann…

Historische Hamburger Stadtpark-Rennen seit 1934 und wie alles begann…

Auch dieses Jahr können wir uns wieder auf ein spannendes Hamburger Stadtpark-Revival freuen. Der Termin für die die 17. Auflage steht schon länger fest und so ist das Wochenende vom 08. – 09. September 2018 schon fest bei uns eingeplant. Der Neustart in der Hamburg-City Nord ist 2017 mehr als gelungen – siehe dazu auch meinen Bericht aus dem September. Grund genug auch einmal auf die Historie dieser Traditionsveranstaltung zu schauen – sie ist allemal beeindruckend!

Alles fing mit den historischen Stadtpark-Rennen von 1934 bis 1952 an

Bereits 1904 bis 1906 fanden auf der Bahrenfelder Trabrennbahn mit die ersten drei Rennen in Deutschland überhaupt statt. 1934 folgte das Debüt im Hamburger Stadtpark, damals als reines Motorrad-Rennen u.a. mit Bernd Rosemeyer kurz vor seinen Silberpfeil-Jahren.

1938 und ’39 folgten die zwei meist besuchten Veranstaltungen, die bis zu 190.000 Zuschauern anlockten! Jetzt wurden die Läufe auch durch Sportwagen ergänzt. Die Strecken führten auf einer Länge von 6 bis 6,5 km an drei Seiten außen um den Stadtpark herum und dann mit einem großen Bogen direkt durch den Park auf den damals noch befestigten Straßen. Eigens für die Rennen wurde sogar die Straße zwischen Festwiese und am Stadtparksee mit Betonplatten versehen.

Auto-Union-Sonderläufe 1939

Schorsch Meier Demo-Fahrt im „Silberpfeil Auto-Union Typ-D“

Höhepunkt 1939 waren die „Auto-Union-Sonderläufe“ mit einem Silberpfeil Typ D. Schorsch Meier stellte bei diesem Rennen den absoluten Geschwindigkeitsrekord im Stadtpark auf: 142,1 km/h!

Das klingt aus heutiger Sicht nicht so beeindruckend, aber bei vier 90-Grad Kurven und einer 180-Grad-Haarnadelkurve musste Meier auf nur zwei „richtigen“ Geraden weit über 200 km/h erreicht haben. Mit solch einem Silberpfeil fuhr Bernd Rosemeyer 1938 unmittelbar vor seinem Tod auf der Autobahn Frankfurt–Darmstadt eine Höchstgeschwindigkeit von 429,5 km/h.

Fortführung des Stadtpark-Rennen nach dem zweiten Weltkrieg

Bereits zwei Jahre nach Kriegsende dröhnten wieder die Motoren im Stadtpark – allerdings mit wesentlich geringeren Geschwindigkeiten. Die Fahrzeuge waren teils gerettete Vorkriegs-Rennmaschinen, teils abenteuerliche Eigenbauten aus Teilen verschrotteter Wehrmachts-Fahrzeuge. Renn-Längen von oft nur 30 Kilometern zeigten die Mängellage der Nachkriegszeit auf, denn der gerade erst wieder gegründete Hamburger Motorsport-Club musste als Veranstalter unter anderem auch den Treibstoff organisieren.

Stadtpark-Rennen 1949 „Klasse-Kleinstrennwagen“

Nur wenige Jahre später zeigte sich auch das beginnende Wirtschaftwunder bei den Stadtpark-Rennen: Viele große und kleinere Hamburger Firmen sponserten die Veranstaltung – mit Werbebannern entlang der Strecke, Sponsoren-Läufen während der Pausen sowie Anzeigen in dem inzwischen 52 Seiten starken Programmheft.

Stadtpark-Rennen 1950 Start 500ccm

Der Superstar der Nachkriegs-Rennen hieß Georg „Schorsch“ Meier: Mit fünf Siegen in der 500-ccm-Königsklasse ist der „Gusseiserne“, wie Meier auch genannt wurde, der Rekordsieger. Dazu kamen ein zweiter Platz 1938 und seine Silberpfeil-Runden 1939.

Die beachtliche Zahl von 70- bis 80.000 Besucher pilgerten zu jedem der fünf Nachkriegs-Rennen. Nach einem tragischen Unfall 1952 endete leider vorerst die Ära der Stadtpark-Rennen.

1999 leben die Stadtpark-Rennen als Stadtpark-Revivals wieder auf!

Die Tradition der alten Stadtpark-Rennen wurde 1999 endlich in Form der Stadtpark-Revivals wieder aufgenommen. Initiator war der in Barmbek aufgewachsene Uwe Quentmeier, dessen Vater ihm von den historischen Rennen erzählt hatte. In den ersten beiden Jahren ging es auf einem 4,5 km langen Kurs um die östliche Hälfte des Stadtparks:

Saarlandstraße, Jahnring, Hindenburgstraße (heute Otto-Wels-Straße) und Südring.

Alle Straßen waren auch Streckenabschnitte der acht historischen Rennen. Aus Sicherheitsgründen verkürzte man später die Fahrstrecke auf 2,3 km auf der Saarlandstraße mit einem Straßen-Dreieck Stadthallenbrücke und Südring. Durch diese Maßnahme war ab diesem Zeitpunkt der durchgängige Schutz von Fahrern und Zuschauern durch Strohballen und später Leitplanken möglich.

Bilder: Katia Grosjean

In den ersten Jahren fuhren auch Fahrer bei den Revivals, die als junge Männer bereits bei den Nachkriegs-Rennen gestartet waren. Und immer wieder sind original Rennfahrzeuge von damals dabei: Der Petermax-Müller-Wagen (Sieger der 2-Liter-Sportwagen-Klasse 1949) wurde mehrmals vom Sportwagenmuseum PROTOTYP an den Start gebracht. Schorsch Meiers 500er Kompressor BMW (sechs Stadtpark-Siege) fuhr auch 2012 wieder mit. Ebenso wie die DKW RM 350 („singende Säge“) und die 250-ccm-Rennmax, die 2005 von Audi in den Stadtpark gebracht wurden. Im selben Jahr und noch einmal 2014 brachten die Ingolstädter auch die Nachbauten der legendären Auto Union Silberpfeile nach Hamburg.

Die Sonderläufe von Audi sind mittlerweile schon Tradition und gehören zu den Highlights: Unter anderem mit Walter Röhrls Audi Sport quattro S1 (1984) oder HansJoachim Stucks Audi 90 quattro IMSA GTO (1989), mit denen Audi die USamerikanische GT-Prototypen-Serie aufgemischt hatte.

Seit 2017 an neuer Wirkungsstädte – Hamburg City Nord

Aus Platzgründen ergab sich ab 2017 eine neue, 1,6 km lange Strecke in der City Nord – die Südgrenze des neuen Revival-Geländes bildet der Jahnring (früher: Nordring), der schnellste Streckenabschnitt aller acht historischen Rennen.

Stadtpark-Revival Streckenplan 2017

Die Tradition lebt also auch hier fort. Auch die City Nord mit ihren teilweise bergartig anmutenden Bürokomplexen gehört zu Hamburgs Nachkriegs-Historie. Die breiten Straßen ermöglichen besseres Überholen und schnelleres Fahren als auf der Saarlandstraße. „Endlich eine richtige Rennstrecke“ begeisterten sich unisono Fahrer und Zuschauer. Die höheren Fußgänger-Ebenen der umgebenden Bürogebäude ermöglichen eine noch bessere Sicht über die Strecke. Echte Rennsport-Fans erkennen in dem nördlichen Überseering eine Parabolika à la Monza oder Hockenheim, und dazu weist das Straßen-Geviert des New-York-Rings eine leichte Kurvenerhöhung der zwei 90-Grad-Kurven auf.

Hier noch einmal ein paar schöne Bilder und Eindrücke aus dem September 2017 in der Hamburger City Nord:

Bilder: Stockmeyer Fotografie

Ich hoffe wir sehen uns im September dort… es lohnt sich auf jeden Fall egal ob als Teilnehmer oder Besucher!

 

Textquellen und historische Bilder: Media Direct hh13 GmbH

 

 

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Von | 2018-03-25T11:24:03+00:00 25. März 2018|Allgemein, Geschichten, Oldtimer, Rennsport, Veranstaltungen|1 Kommentar

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Ein Kommentar

  1. Steven 27. März 2018 um 19:54 Uhr - Antworten

    Sehr schöner Bericht, Katia!
    Habe mir den Termin eingetragen, bin dabei…

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